Wie ist das so mit den Hebammen bei uns in Andalusien?

Auch wenn ich in Andalusien lebe, verfolge ich natürlich die deutsche Medien. Ich bin in den sozialen Netzwerken aktiv und ein Thema taucht immer wieder auf: die Arbeit der Hebammen, in Deutschland ein großes Thema und ehrlich gesagt, ich wär sehr froh gewesen, so eine Person an meiner Seite zu haben. Hier läuft das nämlich anders ab:

Als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin und auch den offiziellen Test beim Arzt gemacht habe wurde ich direkt an eine Hebamme überwiesen. Wir haben hier in Spanien eine staatliche Krankenversicherung, Allgemeinmediziner, Kinderärzte und und einige Spezialisten befinden sich in einem Gesundheitszentrum. Es ist so ein bisschen wie in der DDR mit den Polikliniken. Die Hebamme untersuchte mich kurz, wog und maß mich, gab mir ein Faltblatt mit, was man so alles während der Schwangerschaft nicht konsumieren sollte, stellte den Mutterpass aus und nannte mir noch die Termine für den Geburtsvorbereitungskurs. Alle weiteren Untersuchungen nahm mein Hausarzt vor. Die Hebamme sah ich nur im Vorbeitungskurs, den ich aber nicht mal zu Ende machte.

ganz schön schwanger

ganz schön schwanger

Da ich während der Schwangerschaft auch noch das berühmte Gestationsdiabetes bekam, wurde ich zudem in einer Diabetes-Tagesklinik betreut und kontrolliert. Die Ultraschalluntersuchungen wurden in der Mutter-Kind-Klinik in Málaga vorgenommen. Es werden normalerweise drei Utraschalluntersuchungen während der gesamten Schwangerschaft gemacht. Ich war also eigentlich die ganze Zeit stets in Händen von Fremden, sehr selten sah ich ein Gesicht zwei Mal. Wenn ich Zweifel oder Fragen hatte, schaute ich meist auf deutschen Seiten im Internet nach.

Als der große Moment kam, fuhren der Mann und ich also ins Krankenhaus. Und wieder nur unbekannte Gesichter. Die Frauenärztin der Klinik untersuchte mich, schickte uns gleich in den Kreissaal, weil das Fruchtwasser wohl nicht ganz klar war. Im Kreissaal kam ein Geburtshelfer, ich kann mich schon gar nicht mehr an seinen Namen erinnern, aber er blieb wenigstens in den ganzen 9 Stunden mein Geburtshelfer, trotz Schichtwechsel. Er war unheimlich nett, sowie das gesamte Personal. Die Geburt des Minimenschen verlief leider nicht ohne Komplikationen, es mussten Geburtszangen angewendet werden, zudem atmete meine Tochter die erste Minute nicht und musste wiederbeatmet werden. Die Ärzte wuselten nur so um mich rum, der Mann wurde schon kurz vor der Geburt aus dem Kreissaal geschickt. Ich habe das alles gar nicht so mitbekommen. Nach der Geburt, als der Mann wieder bei mir war, warteten wir eine endlos lange Zeit darauf, dass man uns unsere Tochter brächte, doch niemand kam.

Erst sehr viel später schaute der Kinderarzt vorbei, um uns darüber zu informieren, dass unsere Tochter auf der Intensivstation läge, aber wir sollten uns keine Sorgen machen, alles werde gut. Wurde es auch, aber es dauerte. Insgesamt verbrachten der Minimensch und ich noch zwei Wochen im Krankenhaus, bis man uns entließ. Eigentlich hätte ich während der Zeit auch noch einmal untersucht werden müssen, doch da ich nicht als Kranke in der Klinik verweilte, sondern als stillende Mutter, konnte ich dort nicht untersucht werden. Ich durfte das Gelände aber auch nicht verlassen, sonst hätte ich kein Anrecht mehr auf das sogenannte ‚Stillbett‘, das mir zur Verfügung gestellt wurde. Das einzig Gute an unserer Situation war, dass ich sehr viel von den Krankenschwestern auf Station lernen konnte, sei es zum Thema Stillen, Waschen, Nabelpflege etc. Sie waren fast alle sehr nett, Außnahmen gibt es ja immer, und standen mit Rat und Tat zur Seite.

Erst nachdem wir zu Hause waren und ein wenig Routine in unseren Alltag bekommen hatten, schaute ich bei unserem Gesundheitszentrum vorbei, damit mich die Hebamme mal untersuche. Tat sie auch, es war übrigens eine neue, sie untersuchte mich, gab mit Tipps zum Thema Beckenbodentraining und damit war die Sache erledigt. Ich hätte sehr gern sowohl während der Schwangerschaft, während der Geburt und auch danach eine Person gehabt, die an meiner Seite steht, einen Profi, wie Bettie von Das frühe Vogerl es in ihrem Artikel nennt. Von Selbstbestimmung während der Geburt ganz zu schweigen. Die einzige Frage, die mir gestellt wurde war, ob ich die PDA haben möchte.

Susanne von Geborgen wachsen hat dazu aufgerufen, die Situationen zu nennen, an denen man froh war, eine Hebamme zu haben. Ich kann nur die Stellen nennen, an denen ich froh gewesen wäre. Und ich kann nur hoffen, dass der Beruf der Hebamme den deutschen Müttern erhalten bleibt, denn ohne sie ist die Schangerschaft, Geburt und alles was kommt nicht das Gleiche.