Unser Kurztrip als Seelenfutter

Vergangenes Wochenende waren die Zwergin und ich auf einem Kindergeburtstag eingeladen, der jedoch eine Stunde Autofahrt von uns entfernt war. Ich überlegte kurz hin und her, ob ich die Strecke wirklich an einem Tag machen sollte, ist eigentlich normalerweise kein Ding. Doch uneigentlich soll ich mich ja noch schonen, das Hämatom ist noch nicht gänzlich in der Gebärmutter verheilt, auch wenn es dem Baby soweit spitzenmäßig geht.

Kurzerhand habe ich einfach ein billiges Hostalzimmer in der Nähe gebucht, und nach Plänen für den darauffolgenden Tag gesucht. Es war ein weise Entscheidung. Nach 10 Wochen der Schonzeit musste ich nämlich auch einfach mal raus aus unserem Dorf. Also fuhren wir Samstagnachmittag los, planmäßig schlief die Tochter 2 Minuten nach Abfahrt im Auto ein. Läuft, dachte ich mir.

Ankunft im Hostal

Ankunft im Hostal

Der Kindergeburtstag war ehrlich gesagt nicht ganz so mein Ding. Eingeladen hatte uns eine Freundin von mir, deren älterer Sohn sechs Jahre alt wurde. Diese Freundin kommt ursprünglich aus Chile, kleidet sich alternativ und erzieht auch ihre Kinder entsprechend. Habe ich mir also gar nix bei gedacht, als sie sagte, es kämen viele Schulfreunde des Sohnes, der hier auf eine englischsprachige Schule geht.

Wie in einem anderen Universum kam ich mir vor. Auf dem ganzen Fest wurde nur Englisch gesprochen, was an sich ja kein Problem darstellt, nur mein Kind verstand nix, hat sie aber auch nicht sonderlich interessiert. Kinder wurden herumkommandiert bitte nichts Süßes zu essen (ich habe gar nichts Süßes gesehen, nur Obstspieße und Gemüsesticks), keine Tortillachips anzurühren, das sei alles ganz gräßlich ungesund. Als es dann noch den Geburtstagskuchen gab, durfte die Mehrzahl der Kindern ihn nicht anrühren, zu viel Creme, zuviel Schokolade. (Mein Kind bekam 2 Stück, denn das Obst und Gemüse rührte es nicht an, sondern schaute nur verwirrt.)

Da tut sich wahrlich ein Paralleluniversum mitten in meiner kleinen andalusischen Welt auf. Kindergeburtstage in Spanien bedeuten meist viel Süßkram, Gummibärchen, Chips, Sandwiches, laute Musik, unkontrollierte Kinder, die abends todmüde mit Zuckerschock einschlafen. Dies alles hatte ich meiner Tochter versprochen, nichts davon gab es. Dafür Mütter, die den Nannys ihrer Kinder Anweisungen gaben, während sie elegant auf der Terrasse an ihrem Weißweinglas nippten. Interessant, so etwas mal zu sehen, aber nichts für mich.

So packte ich das Kind dann abends auch ein, fuhr mit ihm ins Hostal, kaufte auf dem Weg noch eine Tüte Chips und dann machten wir es uns im Zimmer bequem. Im Pijama auf dem Bett springend hatte die Zwergin eine tolle Zeit. Und Chips im Bett essen und dann noch Trickfilm gucken, nein das gibt’s zu Hause auch nicht. Es war eine wirklich ganz besondere Nacht für uns beide. In meine Arme gekuschelt schlief die kleine Tochter selig ein. Und ich war wahnsinnig glücklich. Alles richtig gemacht, dachte ich mir.

Pijamaparty

Pijamaparty im Hostal

Am nächsten Tag stand ein Zoobesuch auf dem Plan. Ich hatte erfahren, dass gleich ganz in der Nähe ein wunderschöner Zoo lag. Nach dem Frühstück gings los. Und auch diesen Ausflug genossen die Zwergin und ich sehr. Besonders haben ihr die Flamingos gefallen, denen sang sie sogar ein Ständchen. Auch Tiger, Löwe und Co beeindruckten sie sehr. Doch als sie müde und quengelig wurde, packte ich sie ein und wir fuhren nach Hause. Ich darf sie ja nicht tragen mit meiner Risikoschwangerschaft, und so bin ich eh schon stolz wie Bolle, wie gut sie gelaufen ist und durchgehalten hat. Den Kinderwagen will sie schon lange nicht mehr, den haben wir weggepackt.

ein Lied für die Flamingos

ein Lied für die Flamingos

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man konnte auch viele Tiere anfassen und füttern

Eigentlich wollte ich den Nachmittag mit ihr am Strand verbringen, doch es regnete den ganzen Tag. Also ging es wieder heim und zum Trost gab es lecker Eierkuchen. Den Nachmittag verbrachten wir dann ganz entspannt zu Hause mit Malen, Seifenblasen pusten und einem Film. Das muss auch mal sein und das tut auch mal gut.

Denn was ich nach diesem Ausflug gemerkt habe ist, dass ich erstens auch ganz gut als schwangere Strohwitwe mit Kleinkind zurecht komme und dass wir zweitens auch mal ab und zu einen Kurztrip machen könnten, so lange das noch geht. Ich war etwas nervös vor unserer Abreise, doch das war gar nicht nötig. Eigentlich bin ich ja schon oft alleine mit der Zwergin verreist, aber halt nicht noch schwanger zusätzlich. Es hat der Seele aber sehr sehr gut getan, und was der Seele gut tut, tut auch dem Körper gut. Ich konnte postive Energien tanken und fühle mich wieder fit und froh. Ich merke, wie es mir auch körperlich immer besser geht. Die Hälfte der Schwangerschaft ist mittlerweile auch um. Dem Purzelchen scheint es prima zu gehen. Alles wird gut und der Sommer kann kommen…