Und dann kam die Angst

Dass die Zwergin kein Einzelkind bleiben sollte, war uns von Anfang an klar. Zu groß sollte der Unterschied nicht sein, doch da in Spanien der Mutterschutz aus ganzen 16 Wochen besteht, ich mir das also mit 2 Kindern und berufstätig etwas komplizierter ausmalte, meinte ich, wenn die Zwergin keine Windeln mehr trägt, alleine isst und auch sonst selbstständig ist, gehts los. Das war dann also letzten Sommer der Fall. Genau zu ihrem 2. Geburtstag begannen wir mit dem Töpfchentraining, dank der Unterstützung der Kita funktionierte es prima. So waren der Mann und ich bereit für ein 2. Kind.

Es dauerte etwas länger als gedacht, doch zu Weihnachten hielt ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen. Wir freuten uns riesig. Alles lief dann doch irgendwie wie geplant. Ok, der Mann bekam einen tolles Jobangebot in der Dominikanischen Republik. Liegt jetzt nicht um die Ecke, doch ich bestärkte ihn von Anfang an, zuzusagen. Schwanger sein und ein Kind zur Welt bringen, das könne ich schon allein.

Abschied für sieben Monate

Vergangenen Samstag standen wir also am Flughafen und verabschiedeten uns. Es flossen viele Tränen, doch es ist ja nicht für immer. Unser Plan ist ja nachzukommen, sobald das Baby auf der Welt ist und wir zum Reisen tauglich sind. Zum Geburtstermin Anfang September will der Mann hier sein.

Und dann kam der Sonntag, Valentinstag. Was hatte ich für schöne Pläne mit meiner Tochter. Lecker Frühstück, bis mittags im Schlafanzug, Kartoffelpuffer, Mittagsschlaf, Spaziergang. So ein richtig schöner Mutter-Tochter-Tag sollte unsere siebenmonatige Zeit zu zweit einleiten. Nachmittags besuchten wir die Schwiegereltern. Der andere Sohn war ebenfalls mit seiner Familie da und die Kinder spielten prima zusammen.

Auf einmal merkte ich etwas Komisches. Ich musste so lachen, weil die Mädels Blödsinn machten und dachte, jetzt geht das mit der Inkontinenz schon los. Auf dem Weg ins Bad wurde ich schon nervös, denn das war ganz schön viel Flüssigkeit, die ich da verlor. Als ich sah, dass es Blut war, stand ich erst einmal unter Schock. Ich rief sofort nach Hilfe. Alle reagierten sehr ruhig und halfen mir sehr. Meine Schwägerin ist Krankenschwester, packte ruhig mit an und bestimmte, was zu tun sei. Wir ließen die Kinder also bei den Großeltern und machten uns auf den Weg ins Krankenhaus. Die Fahrt von 35 Minuten kam mir ewig vor. Beim Aussteigen aus dem Auto verlor ich wieder sehr viel Blut und merkte, dass da noch etwas anderes rausrutschte, etwas größeres. Mir war klar: Das war’s. Ich habe mein Baby verloren.

Meine Schwägerin kümmerte sich sofort um einen Rollstuhl, in 5 Minuten war ich im Behandlungszimmer der Notaufnahme. Als die Ärztin und die Krankenschwestern den Blutverlust sahen, wurden sie sofort ernst. Doch dann das Wunder. Auf dem Bildschirm beim Ultraschall war da mein winziges Baby, bewegte sich froh und das Herz schlug munter. Ich glaube alle im Raum waren überrascht. Man brachte mich in ein Bett und behielt mich zur Beobachtung da. Als klar wurde, dass die Blutung nicht aufhörte, brachte man mich auf Station. Ich hatte ein Zimmer für mich allein, das Personal war sehr sehr nett. Nicht unbedingt Alltag in spanischen Krankenhäusern. Am Montag hatte ich einen weiteren Ultraschall, dem Baby ging es super, die Blutung war aber noch da. Die Diagnose lautete: vorzeitiges Ablösen der Plazenta mit Hämatom und Gefahr eines Schwangerschaftsabruches. Verordnung: absolute Bettruhe. Nicht mal auf Klo durfte ich. Ganz neue Erfahrungen sind das…

Ich hatte mir ehrlich gesagt nie Gedanken darüber gemacht, dass mir so etwas passieren könnte. Immerhin las ich, dass Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit, Erbrechen etc. in dem Sinne auch ein gutes Zeichen seien, denn statistisch gesehen, gibt es bei Frauen mit den Symptomen weniger Fehlgeburten. Ich fühlte mich auf der sicheren Seite. Nun denn, es kam anders.

Irgendwann hörte die Blutung auf. Am Dienstag machte man einen neuen Ultraschall und alle waren erstaunt, wie gut sich die Sache entwickelt hatte. Das Hämatom war noch da, aber es schien kleiner zu sein. Ich durfte nach Hause.

Bett-Sofa-Bett

Und nun sitze ich hier. Ich darf natürlich nichts machen. Meine Zwergin ist bei den Großeltern untergebracht und ich vermisse sie ganz schrecklich. So hatte ich mir die Zeit mit ihr nicht vorgestellt. Meine Schwiegermutter bringt mir jeden Tag das Essen, putzt und wäscht meine Wäsche. Ich weiß nicht, was ich ohne meine Schwiegerfamilie tun würde. Alle kümmern sich rührend, organisieren sich, um mich zu den Terminen im Krankenhaus nächste Woche fahren zu können, und ich tu nichts anderes, als mich vom Sofa ins Bett zu schieben. Ich bin das nicht gewohnt, und es fällt mir noch schwer, doch die Angst sitzt zu stark in den Gliedern. So einen Moment möchte ich nicht noch einmal erleben. Ich danke meinem Schutzengel, dass er das Baby und mich heil durch diese Situation gebracht hat.

Und ich danke allen, die mir auf Instagram, Twitter und Facebook liebe Wünsche und Grüße geschickt haben. Das hilft mir wirklich sehr. Ich finde es unglaublich, dass so viele tolle Menschen, die ich leider nicht persönlich kenne, an meinem Leben teilhaben und mich unterstützen. Ich bin eigentlich echt kein sentimentaler Mensch, aber ihr rührt mich. Danke an euch alle!