Stand der Dinge

Müde, erschöpft, ausgelaugt…das beschreibt meine momentane Situation glaube ich ganz gut. Als dickbäuchige Strohwitwe mit Kleinkind, mit einer Risikoschwangerschaft und berufstätig, fühle ich mich irgendwie schon morgens platt. Ich muss mich schonen, darf mich nicht anstrengen, muss die Sachen langsam angehen lassen. Doch wie macht man das, wenn das Minimenschlein nach Aktion verlangt, nach Spiel, Spaß und Halligalli? Wenn die Wohnung aussieht, als hätte eine Bombe eingeschlagen, und wenn man tagsüber, wenn auch vom Sofa aus, im Homeoffice ist und versucht, den Job so gut wie möglich zu machen?

Ja, ich habe Hilfe, die Schwiegereltern sind da. Doch das ist natürlich nicht das Gleiche, als wenn der Mann abends an meiner Seite wäre, das Essen vorbereiten, den Zwerg baden oder auch aufräumen könnte. Ich muss lernen, die Hilfe meiner Schwiegereltern anzunehmen, doch es fällt mir nicht immer leicht. Zu der anderen Kultur kommt eine andere Vorangehensweise, es wird anders gekocht, geputzt, erzogen und gelebt. Mit dem Mann habe ich bisher selten deswegen Probleme gehabt, er ist eigentlich gar nicht so andalusisch wie er aussieht.

Umso schöner diese Woche die Nachricht, dass er wahrscheinlich eine sehr gute Stelle auf Mallorca antreten kann. Und zwar schon in fünf Tagen. So stand er also gestern vor der Tür. Und gleich geht es mir besser. Ich weiß, da ist jemand, der macht die Dinge so wie ich. Der kümmert sich ums Kind, genauso wie ich es tun würde. Und so nutze ich es aus, lehne mich zurück, streichle meinen Bauch und lass die beiden mal machen. Lange wird er nicht hier sein, doch dann wird er auch nicht mehr so weit entfernt sein. Mallorca ist circa eine Flugstunde entfernt. Auch, wenn ich natürlich mit einer Risikoschwangerschaft nicht fliegen darf, erleichtert es doch einiges. Er kann nämlich hoffentlich öfters mal vorbeikommen und mir Verschnaufpausen verschaffen. Klingt jetzt nicht gerade romantisch, doch das ist es, was ich momentan brauche.

Das ist es doch, was eine Partnerschaft ausmacht. Keine Candle-Light-Dinner oder romantische Boottouren, das zieht am Anfang, doch wenn es hart auf hart kommt, so wie bei uns gerade, dann brauche ich genau so einen Partner, der sich das Kind schnappt, um Eis essen zu gehen, mich auf dem Sofa zurücklässt, damit ich endlich mal durchatmen kann. Und nächste Woche bin ich dann hoffentlich wieder aufgeladen, um dem schwangeren Strowitwendasein mit Kleinkind die kalte Schulter zu zeigen. Um der Wohnung zu sagen: Ach, räum dich doch alleine auf, ich mag grad nicht! Um meinen Job perfekt zu erledigen und um eine wunderbare Mutter für meine Tochter zu sein, die dann wieder ihren Papa vermissen wird und viel Trost brauchen wird. Doch alles wird gut, da bin ich mir sicher!

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