With a little help

Der Mann und ich waren aus. Gestern abend. So, das ist eigentlich schon Nachricht genug. Denn das ist seit bestimmt anderthalb Jahren nicht mehr passiert. Für die Mädels war es Premiere, das erste Mal zu zweit bei den Großeltern schlafen. Das gab es noch nie. Mir war ja etwas mulmig zumute und fast hätte ich die ganze Aktion wieder abgebrochen. Und das kam so:

Eigentlich wollten wir nur gemütlich mit Freunden grillen, bei uns. Da unsere Terrasse aber über der Wohnung liegt und es auch recht laut werden würde, hatten der Mann und ich beschlossen, die Kinder zu Oma und Opa zu bringen. Kind1 hat auch schon einige Male dort geschlafen, das Baby noch nie. Aber wir wären ja jederzeit erreichbar und sprungbereit, wenn etwas passieren sollte. Dann sagten jedoch unsere Freunde ganz spontan ab. Nun schlug der Mann vor, die Mädels doch trotzdem bei seinen Eltern zu lassen und schick Essen zu gehen. Ich überlegte eine Weile, wollte die Mädels eigentlich schon wieder abholen, freute mich dann aber über den Vorschlag.

Früher, also vor den Mädels, sind wir recht oft Essen gegangen. Das habe ich schon vermisst. Und irgendwann muss sich ja auch mal das Baby daran gewöhnen, dass die Großeltern im Notfall einspringen und wir vielleicht mal nicht da sind. Auch wenn ich diese Dienste der Schwiegereltern nur selten in Anspruch nehme, finde ich, dass ab und zu so eine Nacht bei ihnen den Mädels nicht schadet.

Das ist eine Sache, die auch ich lernen muss. Hilfe in Anspruch nehmen. Ich neige dazu, alles allein bewältigen zu wollen. Der Mann arbeitet extrem viel und ich bin mit den Mädels stets allein. Ich genieße das, aber manchmal wird es zu viel. Wenn das Baby zahnt, Fieber hat, anhänglich ist und nicht schlafen kann und dann auch noch die Große trotzt, dann bin ich froh, wenn der Tag rum ist. In solchen Momenten hätte ich auch mal die Schwiegermutter anrufen können, ob sie mir vielleicht die Große für ein paar Stunden abnimmt. Doch ich beiße tapfer die Zähne zusammen und kämpfe. Ich will das allein schaffen. Doch warum eigentlich? Was spricht denn dagegen, zuzugeben, dass es manchmal zu viel wird mit Baby und Kleinkind. Niemand ist perfekt. Und gestern abend ist es mir dann klar geworden: Ich sollte ab und zu etwas Hilfe annehmen. Denn dann haben die Kinder wieder mehr von mir. Wenn ich entspannt bin und mich ganz auf sie konzentrieren kann. Wem nützt eine gestresste Mutter, die die Hände über dem Kopf zusammenschlägt? Genau, niemandem! So gesehen ist es also für die Mädels ein positiver Aspekt, wenn sie mal bei Oma sind und Mami sich um Dinge kümmern kann, die mit zwei Kindern nicht erledigt werden können. Denn zufriedene Kinder gibt es nur mit zufriedenen Eltern. 

Und noch eines ist mir gestern abend klar geworden: Sollte die Nacht bei den Großeltern gut gewesen sein, werden der Mann und ich dieses Jahr bestimmt noch einmal ausgehen und zwar allein. Es tat uns so gut. Im Alltag verliert man sich so schnell, ist beschäftigt mit Kinder für den Tag fertig machen, Haushalt (also ich) und Arbeit (der Mann), oft sehen der Mann und ich uns nicht einmal abends, weil er zu spät kommt und ich dank des Babys so früh aufstehe, dass ich sehr früh ins Bett gehe. Ich kann mich nicht beschweren, uns geht es sehr gut. Wir haben gesunde Kinder, immer genug lecker Essen, eine schöne Wohnung und das einzige was fehlt ist Zeit. Die haben wir gestern etwas nachgeholt und siehe da, der Mann und ich rocken immer noch als Paar. Wir haben viel gelacht, viel gegessen und viel zu viel getrunken und es war wie früher. Das sollte man definitv nicht nur alle zwei Jahre machen. Und so können wir auch den Mädels wieder die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen, weil auch wir als Eltern unsere Batterien wieder aufgeladen haben. Heute habe ich zwar einen elendigen Kater, aber das war es wert.