Whatsapp – oder die neue Art zum Geburtstag zu gratulieren

Ich hatte nun auch Anfang des Jahres Geburtstag. Früher war das DER Tag, an dem man auf Händen getragen werden wollte. Einmal Königin und zurück. Seit der Minimensch da ist, ist mein Geburtstag in den Hintergrund gerückt. Jetzt versuche ich, ihr jeden Tag zu einem Prinzessinentag zu machen, manchmal gelingts, manchmal nicht so sehr. Doch wenn schon das elegante Dinner mit dem Mann wegfällt und auch die Geschenke nicht mehr so wichtig sind (da man das Ersparte schon für die Spielzeuge und anderes Gedöns aus dem Fenster geschmissen hat), möchte man doch wenigstens eine anständige Gratulation, oder? Jedenfalls ich!

Seit es die netten sozialen Netzwerke gibt, die uns dabei helfen, dass wir nicht mehr viel mit unserem Gegenüber kommunizieren müssen, sondern angenehm schweigend in die Handytasten hauen können, ist die Sache mit den Geburtstagen um einiges einfacher geworden. Jedenfalls wird keiner mehr vergessen – wenn man Freunde hat, die sich trauen ihre Daten in das Profil einzuspeisen. Und so sah schon am frühen Morgen meine Timeline ganz hübsch aus. Freunde aus aller Welt gratulierten mir zum Geburtstag, selbst die, die ich seit fünfzehntausendeinhundertsechsundsechzig Jahren nicht mehr gesehen, geschweige denn mit ihnen sonstigen Kontakt hatte. Wofür Social Media doch alles gut ist. Doch selbst meine spanische Familie, will heißen Schwager und Schwägerin riefen nicht mehr an, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Nein, ein Whatsapp, oder wie man hierzulande sagt ein wuasa, wurde geschickt, bunt dekoriert mit allen möglichen Icons. Dabei hat man doch dank günstiger Flatrates nicht einmal mehr mit hohen Telefonkosten zu rechnen.

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Ich geb zu, ich bin selbst ein großer Fan dieser kleinen Anwendung und nutze sie täglich. Mit Whatsapp geht vieles einfacher und zu einem von mir gewünschten Zeitpunkt. Doch zum Geburtstag wünsche ich mir schon einen Anruf. Kaum vorstellbar, dass wir uns vor einigen Jahren noch Karten und Blumen schickten. Mache ich immer noch, aber da bin ich wohl in Andalusien allein auf weiter Spur. Nun, eine Gewöhnungssache, die mir noch fehlt, um mich nach neun Jahren auf der Iberischen Halbinsel so richtig spanisch zu fühlen. Meine Schwiegereltern haben mir nicht mal gratuliert. Geburtstage sind hier ja auch nicht so wichtig wie in Deutschland, aber trotzdem!!!

Und was muss ich mit meiner eigenen Mutter erleben. Zwei Whatsapps hat sie mir geschickt, eine nachts um drei und eine um 16 Uhr. Also wirklich! Wer hätte das gedacht. Kein Anruf, keine Karte, keine Blumen. Meine Mutter ist spanischer als ich! So kann es kommen. Wahrscheinlich hat sie bei ihren Besuchen bei uns einfach zu viele Tapas gegessen. Und trotzdem will ich versuchen, die schöne Tradition des Geburtstagsanrufes und des Schreibens einer Karte nicht verkommen zu lassen. Hat man doch schon beim Einwerfen des Briefes in den Kasten ein Lächeln auf den Lippen, weil man weiß, wie der andere sich über Post freut. An meine spanische Familie schicke ich ab und zu eine Karte, wenn wir unterwegs waren oder so. Und jedesmal staunen sie erneut, wenn sie etwas, was nicht nach Rechnung aussieht, im Briefkasten liegen haben. Das nenne ich interkulturellen Austausch 😉

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