Wer hat meinen Popo…

Zwei Schwangerschaften, zwei Geburten und zwei tolle Mädels. Ich bin überglücklich. Alles war geplant, gewünscht und perfekt umgesetzt. Auch wenn beide Geburten jetzt nicht unbedingt perfekt waren, eher das Gegenteil. Mein Körper hat es trotzdem gut weggesteckt, hat sich bei der zweiten Geburt in Rekordzeit erholt. Das Baby ist zudem ein reines Stillbaby, es klappt ganz hervorragend und ich freue mich. Nach zwei Monaten hat es schon etwas mehr als zwei Kilo zugenommen. Ich bin stolz auf meinen Körper, doch ich vermisse ihn auch, also so wie er vor den zwei Schwangerschaften war.

Alle sagen, ich soll doch froh sein, immerhin bin ich schlank, habe keine Schwangerschaftskilos. Aber darum geht es ja nicht allein, sondern eher um die Verteilung. Der Bauch ist zwar klein, dafür aber schlaff und irgendwie wabbelig, Homer Simpson in klein würde ich mal sagen. Die Haare werden immer dünner, die Augenringe immer dunkler, Pandabären fragen schon nach meinem ‚Schönheitsrezept‘.

„Wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss…“ schallt es bei uns aus dem Lautsprecher. Leise summe ich mit: Wer hat meinen Popo, wer hat meinen Popo… denn einen Hintern habe ich nicht mehr. Vielleicht sollte ich es so wie der Mann machen und einfach den Geldbeutel in die Jeanstasche stecken. Der formt dann den Hintern. Früher war da mal was. Ach ja, früher…

Da wurde mein Körper geformt von Fast-Food und Alkohol, von durchzechten Nächten, Unibetrieb und nebenbei kellnern. Ich sah blendend aus! Ich fühlte mich großartig. Mittlerweile bestimmt das Baby meine Nächte und Tage. Zusammen mit Kind 1 hält es mich auf Trab, dass mir auch ja nicht langweilig wird. Eigentlich Bewegung genug, um in Form zu bleiben. Zum Essen komme ich selten und wenn dann stopfe ich alles was geht in mich hinein. Ausgewogen ist was anderes. Und trotzdem bin ich der glücklichste Mensch auf Erden. Wer braucht schon einen Knackpopo, wenn man zwei Prinzessinnen zu Hause hat. Meine Mädels leuchten für mich. Ich brauche keinen Schmuck, nein, ich habe ein Tragebaby das mich hübsch dekoriert. Ich brauche keinen Lippenstift, nein, ich habe ein kleines Kind, das mir das Lächeln ins Gesicht zaubert.

Vielleicht komme ich irgendwann auch dahin, so mit Vierzig, wenn die Mädels aus dem Gröbsten raus sind, dass ich dann in einer Frauengruppe ein Bauch-Beine-Po-Programm absolviere, Detoxdrinks zu mir nehme und auf Fleisch und Zucker verzichte, um den Falten entgegenzuwirken. Doch bis dahin werde ich weiter Gummibärchen mit meinen Töchtern naschen, abends, wenn alles ruhig ist, Schokolade in mich stopfen und dabei das Baby stillen und Freudentränen vergießen, weil es uns einfach gut geht, mit oder ohne hübschen Hintern…