Was uns nicht umbringt…

Da waren wir also angekommen am letzten Punkt der Sommerliste. Die Geburt von Kind 2 war geschafft, einen Monat später unsere Hochzeit und nun fehlte nur noch der Umzug. Seit Monaten war ich Strohwitwe, der Mann arbeitete vier Autostunden entfernt und da ich zur Zeit sowieso in Mutterzeit bin, wenigstens bis Ende Dezember, lag es nahe zum Mann zu ziehen.

Wir behalten jedoch unsere Wohnung im Dorf, die kaufte der Mann damals in seinem jugendlichen Leichtsinn, so wie alle Spanier eben, sie wird noch brav abbezahlt. Nur werden wir sie wohl vermieten müssen, um uns nicht ganz zu übernehmen, doch das kommt auf die To-do-Liste für nächstes Jahr.

So mussten wir aber erst einmal nicht alles mitnehmen, nur das Nötigste habe ich eingepackt, wir wissen ja auch nicht, wie lange wir an dem neuen Ort bleiben werden.

Der Tag des Umzugs begann fürchterlich. Ein Magen-Darm-Virus hatte mich über Nacht heimgesucht. Ich verbrachte die gesamte Nacht im Badezimmer. Dementsprechend fühlte ich mich am Morgen. Wäre ja noch gegangen, wenn ich nur hätte mitfahren müssen. Doch meine Rolle war das Fahren des Familienautos mit den Mädels zusammen, der Mann mit seinem Auto und meine Eltern, die zur Hochzeit angereist waren, mit ihrem Auto. Als meine Mama mich so sah, bezweifelte sie, dass wir den Umzug an diesem Tag machen würden. Immerhin sind es 450km Strecke. Doch gegen Mittag besserte sich mein Zustand etwas, ich biss die Zähne zusammen und ab ging es.

Wir machten einige Pausen, in denen ich einen Kamillentee trank und das Baby stillen konnte. Ich dachte ja, die Brustentzündung zwei Tage vor unserer Hochzeit mit Fieber und allem drum und dran wäre schon ausreichend gewesen, aber nein, das Schicksal wollte wohl noch eins drauf setzen.

Abends kamen wir endlich an. Gut, dass wir die Wohnung bereits seit einigen Monaten haben, der Mann lebt ja schon darin. So war eigentlich alles für sie Nacht bereit und wir mussten nicht noch Kisten auspacken. Am Ende des Tages war ich echt ein bisschen stolz auf mich. Ich hatte es geschafft und wir waren angekommen. Und wieder fühle ich mich ein kleine bisschen stärker. Ich sag ja, was uns nicht umbringt macht uns stärker.