Warum Weihachten in Deutschland einfach mehr fetzt

Seit neun Jahren lebe ich in Andalusien. Und trotzdem versuche ich jedes Jahr, die Weihnachtsfeiertage in Deutschland zu verbringen. Nur ein paar Mal habe ich Weihnachten in Andalusien bei meiner Schwiegerfamilie verbracht und eigentlich bin ich ja nicht so der Feiertage-Freak, aber jedes Mal, wenn ich nicht in Deutschland war, habe ich es vermisst.

Weihnachten in Andalusien sieht so aus, dass am 24. Dezember abends alle Familienmitglieder zusammenkommen. Es gibt einige Tapas wie Schinken, Datteln im Speckmantel oder Käse zum Einstieg. Gambas dürfen freilich nicht fehlen. Danach wird reilich Fleisch gereicht. Es ist jedoch Essen, was wir auch über das Jahr immer wieder verspeisen, nicht so besonders wie die Weihnachtsgans in meiner Familie, die gibt es wirklich nur einmal im Jahr. Es gibt zwar auch spezielles Weihnachtsgebäck, meist frittierte Bällchen mit Anis, die in Zucker gewendet werden, oder staubige Kringel. Die sind aber nicht so meins. Die Krippe wird aufgestellt und beleuchtet. Doch Störfaktor Nummer Eins ist nach wie vor der Fernseher. Der läuft wie immer. So richtig Stimmung kommt da einfach nicht auf. Der Plastikweihnachtsbaum macht es nicht besser. Geschenke gibt es nicht, die gibt es erst am 6. Januar traditionell zu den Heiligen Drei Königen. Obwohl mittlerweile auch in vielen Familien schon am 24. Dezember wenigstens den Kindern Geschenke überreicht werden. Um 23 Uhr geht man vielleicht noch über zu Whiskey oder Gin Tonic und dann ist der ganze Spuk vorbei. Der 25. Dezember ist noch Feiertag, es gibt noch einmal eine Familienzusammenkunft, aber die ist genauso wie unsere Familientreffen das ganze Jahr über. So kommt es, dass in Spanien, das mag auch an den Temperaturen liegen, einfach keine heimelige Weihnachtstimmung aufkommt. Jedenfalls nicht bei mir.

Denn Weihnachten in Deutschland bei meiner Familie sieht normalerweise so aus:

Am 1. Dezember bekommt jedes Familienmitglied einen tollen Weihnachtskalender, und zwar selbst befüllt. Am 6. Dezember wird traditionell Nikolaus begangen. Soabld der Weihnachtsmarkt eröffnet ist, schlendern meine Mama und ich etliche Male drüber und begehen eine Fressorgie nach der anderen. Das wir fast jedes Wochenende zum Advent Plätzchen backen versteht sich ja von selbst. Der 24. Dezember dann wird reserviert, um den Weihnachtsbaum zu schmücken. Weihnachts-CDs laufen, der Baum wird aufgestellt und geschmückt. Erste Diskussionen werden bestritten, was die Genauigkeit des Baumaufstellens angeht. Abends gibt es natürlich Kartoffelsalat und Würstchen. Danach gibt es Geschenke!!!! Dann wird gesungen, Gesellschaftsspiele werden hervorgekramt. Und irgendwann wird noch ein bisschen gestritten, weil wir alle schlechte Verlierer sind.

Am 25. Dezember gibt es bei uns die Weihnachtsgans. Sie kommt von einem Bauernhof im Dorf und es ist schon immer ein Ereignis, jene bei selbigen abzuholen. Dazu gibt es natürlich Rotkraut und Thüringer Klöße, schließlich kommt meine Mutter aus Thüringen. Stollen gibts logischerweise auch, schließlich sind wir hier im fast schon Erzgebirge. Der ist nachmittags genauso dran, wie der Berg Kekse, der die Adventszeit über fabriziert wurde. Nach der Völlerei am 25. Dezember folgt die Völlerei am 26. Dezember, diese Jahr gab es Kaninchenbraten.

Und daraus kann man schon erkennen, warum Weihnachten in Deutschland einfach mehr fetzt. Es gibt einen Feiertag mehr, in Spanien ist der 26. Dezember nämlich kein Feiertag mehr, und somit kann man viel länger speisen, genießen und völlern.