Unser Model: 40/60. Vereinbarkeit in Andalusien

Wer hier ab und zu reinschaut weiß, ich arbeite wieder. Vollzeit. Ich tauge nicht als Hausfrau, jedenfalls nicht Vollzeit. Ein Jahr war ich mit dem Baby zu Hause. Es war eine schöne Zeit. Doch irgendwann ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Arbeit. In meinen alten Job wollte ich ehrlich gesagt nicht zurück, ich wollte etwas Neues anfangen. Neun Jahre im gleichen Job sind auch eine lange Zeit und vor allem wollte ich eines: es musste familienfreundlich sein. Keine langen Abende im Büro und eventuell die Möglichkeit ab und zu von zu Hause aus zu arbeiten.

Wir haben zwar vor Ort die Unterstützung meiner Schwiegerfamilie, auf die will ich aber eigentlich nur im Notfall zurückgreifen. Ich möchte nicht, dass die Mädels jeden Tag bei der Oma abhängen, weil ich noch lange im Büro sitze. Dafür habe ich ja keine Kinder in die Welt gesetzt, damit sie mich nie sehen. Die spanische Oma um die Ecke zu haben ist schön, aber ich finde, Omas sind da, um die Enkel zu verwöhnen. Da werden Gummibärchen zugesteckt, Schokoladenbrote geschmiert und Trickfilme angeschaut. Das ist ok,  sollte aber nicht jeden Tag sein. Da der Mann schon viel arbeitet und somit wenig Zeit mit den Kindern hat, wollte ich eine Arbeit finden, die es mir erlaubt, den Nachmittag bei den Mädels zu sein. Das ist nicht einfach in Spanien. Viele Jobs haben nämlich ganz unmögliche Zeiten, man fängt  zwischen 8Uhr und 9Uhr an, hat eine lange Mittagspause und arbeitet dann bis 20Uhr oder sogar 21Uhr. Das geht gar nicht!

Nach einiger Zeit der Suche habe ich etwas gefunden, was zwar nicht unbedingt einen akademischen Grad verlangt (So wie ich ihn habe), aber ich habe eine durchgehende Arbeitszeit von 7Uhr bis 15Uhr und kann also beide Mädels 16Uhr aus der Kita bzw. Vorschule abholen: Kundenbetreuung eines internationalen IT-Unternehmens ich darf die deutschen Kunden betüddeln. Also habe ich mich mit dem Mann zusammengesetzt, um zu sehen, ob wir das hinkriegen. „Ja, wir schaffen das. Auch ohne Hilfe.“

Er ist jetzt morgens für die Mädels zuständig, denn ich bin schon aus dem Haus, wenn sie aufstehen. Er steht mit ihnen auf, gibt ihnen Frühstück, zieht sie an und bringt sie in die Kita und Vorschule. Das gute am Leben auf dem Dorf ist, dass beide Einrichtungen jeweils 2 Minuten zu Fuß entfernt liegen. Danach fährt er auf Arbeit. Mein Wecker klingelt 5.30Uhr. Ich habe 50 Minuten für Kaffee und Aufhübschen. Meist versuche ich, die Brotboxen der Mädels schon abends zu füllen. Nur das Obst muss ich dann frühmorgens schnippeln. Dann geht es für mich ins Büro bis 15Uhr. 15.45Uhr komme ich zu Hause an und kann also erst Kind1 abholen und dann gehen wir gemeinsam in die Kita von Kind2. So haben wir dann noch den Nachmittag für gemeinsame Dinge. Wir gehen auf den Spielplatz, Eis essen oder auch gemeinsam einkaufen. Gestern haben wir sogar gemeinsam gebacken und schon einmal Abendessen vorgekocht bevor es raus ging. Das ist dann etwas stressfreier, denn wenn wir gegen 19Uhr vom Spielen kommen sind beide müde und hungrig. Dann muss es schnell gehen. Danach geht es ab unter die Dusche und ins Bett. 20Uhr liegen das Baby und 20.30Uhr Kind1 im Bett. Das klingt spät für deutsche Ohren, ist aber sehr früh für spanische Verhältnisse, auch wenn am nächsten Tag Schule ist. Viele Kinder gehen nicht vor 21.30Uhr ins Bett, was für mich undenkbar ist, denn das ist ja schon meine Bettzeit.

Wenn alles gut geht habe ich dann noch eine halbe Stunde für mich, für eine Tasse Tee oder Schokolade und dann gehe auch ich ins Bett. Paarzeit gibt es momentan wenig, oft kommt der Mann erst spät nach Hause, wenn die Mädels im Bett liegen. Aber da müssen wir jetzt durch. Das ist eben so. Dafür bin ich stolz auf uns, dass wir eine Lösung gefunden haben, wie wir beide arbeiten können und trotzdem noch Zeit für die Mädels bleibt, dass sie nicht den gesamten Tag ohne Eltern sind. Es ist ein langer Tag für alle, doch wir meistern das eigentlich recht gut, denn das Wichtigste erfüllen wir: Wir sind zusammen. Mal mit Mann, mal ohne, aber die Mädels haben jeden Nachmittag ihr gewohntes Umfeld, ihre Mama und ihre Routine. Ich bin müde (sehr müde)  aber auch glücklich mit dieser Lösung. Arbeiten macht mir Spaß, der Austausch mit Kollegen ist wichtig und ich möchte ihn nicht missen. Aber natürlich bin ich in erster Linie Mama und meine Mädels sollen nicht den Eindruck bekommen, dass sie zurückstecken müssen, weil ich wieder arbeite. Und so haben der Mann eine 60/40 Lösung würde ich sagen. Er übernimmt die Morgenschicht und ich die Nachmittags- und Abendschicht. Es läuft würde ich sagen. Dass der Mann ein guter Hausmann ist wusste ich ja schon immer, schließlich ist er derjenige, der bei uns sämtliche Bügelarbeiten übernimmt. Für ihn ist es ganz selbstverständlich, dass er macht, was er kann, so wie ich eben. Auch nicht unbedingt typisch spanisch. Aber deswegen sind wir ja auch verheiratet.

Wie ist das bei euch? Wie habt ihr das aufgeteilt, damit die Kinder trotz Berufsleben nicht zu kurz kommen?