Ungeduldig und doch so ängstlich

Noch 11 Tage bis zum errechneten Geburtstermin. Ich bin recht nervös, freu mich riesig drauf und hab doch solche Angst. Jeden Tag kann es losgehen. Jeden Tag und jede Nacht muss ich planen, was im Fall de Fälle zu tun ist. Der Mann ist vier Stunden Autofahrt entfernt. Die Schwiegerfamilie muss also mal wieder einspringen. Doch momentan sind dort auch die anderen Enkel. Falls die Wehen also nachts einsetzen sollten, muss ich den Schwiegervater anrufen, das Kind muss zu ihnen gebracht werden und dann geht es ab ins Krankenhaus.

Ich könnte zwar auch bei ihnen schlafen, aber irgendwie hab ich da echt keine Lust zu. Ich möchte lieber bei mir zu Hause bleiben, meine Sachen um mich haben und die gewohnte Routine mit dem Kind leben, bis es endlich losgeht.

Die Kliniktasche ist soweit gepackt, fehlen nur noch ein paar Kleinigkeiten. Das erste Kind kam ja fünf Tage zu früh. Mal sehen, ob das Zweite auch ungeduldig ist. Fänd ich auf jeden Fall besser, als warten zu müssen.

Und dann ist da aber noch die Angst. Nachts liege ich wach und erinnere mich an die Geburt der Zwergin. Die verlief eigentlich normal, doch zum Schluss wollte sie einfach nicht hinaus. Geburtszangen mussten eingesetzt werden. Sie atmete die erste Minute nicht, hatte die Nabelschnur um den Hals gewickelt, musste wiederbelebt werden.

Alles ging gut aus, ihr wisst, dass ich einen wunderbaren dreijährigen Menschen zu Hause habe. Und doch muss ich immer wieder daran denken. Wie wir zwei Wochen im Krankenhaus verbrachten. Bis wir endlich mit ihr nach Hause durften. Ich habe große Angst, dass das noch einmal passieren könnte. Dass es wieder Komplikationen gibt. Dass wir wieder um unser Baby bangen müssen.

Ich bin ungeduldig, möchte das Baby endlich in den Armen halten. Möchte es der großen Schwester vorstellen (einen Beitrag dazu findet ihr hier) und doch denke ich jede Minute auch ängstlich an die Geburt. Angst vor den Schmerzen habe ich eigentlich nicht. Ich weiß jetzt schon, dass ich ohne Drogen nicht auskommen werde und auf jeden Fall eine PDA haben möchte. Das ist hier ganz normal und man wird eher schräg angeschaut, wenn man darauf verzichtet. Was Schmerzen angeht, bin ich ein Weichei.

Zusammen mit dem Hormoncocktail sind die Gedanken und Gefühle der letzten Tage eine echt gefährliche Mischung. Gut, dass der Mann nicht so oft hier ist, er würde leiden. Müsste meine Stimmungsschwankungen ertragen und höflich reagieren. Ist also gar nicht so schlimm, wenn er nicht da ist. Und vielleicht haben wir ja Glück, und das Baby kommt genau dann, wenn er seine freien Tage bei uns verbringt. Wer weiß…

Und wie habt ihr die letzten Tage vor der Geburt verbracht?