Und dann hat es uns selbst erwischt

Das es Spanien nicht wirklich rosig geht, wird man wohl schon bemerkt haben. Vor allem bei uns im Süden geht es vielen Familien nicht besonders gut. Bei einer Jugendarbeitlosigkeit von über 20 Prozent kein Wunder. Viele haben von heute auf morgen ihre Wohnungen oder Häuser verloren. Kinder bekommen nur dank Hilfswerke wenigstens eine warme Mahlzeit in den Schulen. Die Politiker sprechen von einem Aufbruch, von einer Wende zum Positiven. Ich habe sie noch nicht entdeckt.

Oft sagte ich zu dem Mann, wie dankbar wir sein müssen, dass wir beide eine Arbeit haben. Dass wir uns noch nicht das Geld vom Mund absparen müssen, dem Kind viele Wünsche erfüllen können. Doch dann wurde er arbeitslos. Auf einmal gehören wir auch zu dieser spanischen Mehrheit, die nicht genau weiß, ob es bis zum Monatsende reichen wird. Und geht es uns immer noch verhältnismäßig gut. Auch wenn wir beide ein Einkommen haben, das jeweils unter 1.000 Euro liegt, wir können die Wohnung bezahlen, das Kind ist im Kindergarten gut versorgt, nur bei Luxusgütern, bei denen wir uns früher keine Gedanken gemacht haben, müssen wir nun genau überlegen. Neue Klamotten sind nicht drin, neue Schuhe schon gar nicht und wenn, dann hat der Minimensch Priorität, das versteht sich ja von selbst.

Es ist schon ein sehr komisches Gefühl, wenn man auf einmal von Gedanken wie ‚Legen wir diesen Herbst die Wohnung mit Laminat aus?‘ zu ‚Wird das Geld diesen Monat reichen, oder müssen die Erspanisse ran?‘ wechseln muss. Ganz verwöhnt muss ich zugeben: Wir sind das nicht gewohnt. Uns ging es immer sehr gut, viel zu gut wahrscheinlich.

Es ist ein guter Moment, sich auch Gedanken darum zu machen, dass man vieles für zu selbstverständlich hingenommen hat. Stets neue Kleidung für das Kind, einmal schick essen gehen im Monat, Gourmeteinkäufe etc. Das geht jetzt halt nicht mehr, und es ist auch gar nicht schlimm, denn all diese Sachen brauchen wir nicht wirklich. Am Anfang war es schwierig sich umzustellen. Mittlerweile habe ich mich nicht nur daran gewöhnt, sondern ich möchte die Gelegenheit nutzen, unser Leben im Überfluss etwas zu entrümpeln. Tief durchatmen, die Zeit gemeinsam genießen, denn der Mann hat vieles im Leben des Kindes verpasst.

Er wird wieder etwas Neues finden, da bin ich mir sicher und bis dahin sollten wir das Beste draus machen. Er ist noch nicht so richtig überzeugt, sitzt deprimiert in der Wohnung, denn es war eine ganz blöde Sache, in die er da hingeschlittert ist. Das Unternehmen hatte ihn aus seiner Festanstellung abgeworben und ihn dann nach 2 Monaten sitzen lassen. Sehr unschön, sehr ärgerlich, aber in Spanien leider nicht selten. Doch wer weiß, wofür es gut war. Neue Chancen werden sich ergeben.

Ich hoffe, die vielen Familien in Spanien, denen es momentan nicht so besonders geht, werden auch wieder bessere Zeiten erleben, sich wieder den ein oder anderen Luxus gönnen, aber vielleicht auch ein bisschen darüber nachdenken, ob sie wirklich alles, was da so schön blinkt und leuchtet brauchen. Reflexionieren, wie schnell man in diesem Teufelskreis des Konsum gefangen ist ohne es wirklich zu merken. Denn eines habe ich jetzt gemerkt: Eine unbeschwerte Kindheit hat nichts mit tollen Spielsachen oder super Freizeitaktivitäten zu tun. Die Hauptsache ist, dass dem Kind genau die Liebe geschenkt wird, die es verdient und die ist für Kinder nämlich kostenlos.