Schwesternbande

Glucksendes Lachen und Gekicher kommt aus dem Zimmer. Beide Töchter hocken auf dem Boden, machen Faxen, umarmen sich, küssen sich und schmeißen sich auf einen Berg voller Kissen. Und wieder Gelächter aus vollem Hals.
Ja, das klingt nach Bullerbü und doch spielt sich diese Szene bei uns ab, in den eigenen vier Wänden. Meine beiden Töchter haben zueinander gefunden. Nicht, dass sie vorher nicht miteinander gespielt hätten, doch es war ein anderes Spielen. Jetzt scheinen sie beide im richtigen Alter zu sein, um gemeinsam Spaß zu haben. Ohne Mami. Die Große wird bald 5 Jahre, die Kleine im August 2 Jahre. Den ganzen Tag hocken sie zusammen, kitzeln sich aus, die Große erklärt der Kleinen die Welt und zieht in Kisten durch die Wohnung. Die Kleine wird sofort unruhig, wenn sie ihre große Schwester nicht um sich hat. Ist die Große bei der Oma, beim Karate oder Schwimmen läuft sie suchend durch die Wohnung. “Hermana?”, fragt sie immer wieder. (Ja, auch das kleine Kind spricht nur Spanisch mit mir, obwohl ich nur Deutsch mit ihr rede.)
Wenn die Kleine nicht da ist, fragt die Große sofort: “Und meine Schwester?”
Sie sind ein Team geworden in den letzten Wochen. Es ist wundervoll ihnen zuzusehen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt, dieses Schwestern-Dasein. Natürlich streiten sie auf ihre Art. Die Kleine zieht der Großen ohne Grund an den Haaren, schmeißt Bauklötze nach ihr, die Große will auch mal ihre Ruhe haben und findet sie nicht. Dann sind beide quengelig und nörgeln rum, nicht zufrieden mit der Situation und mit sich. Und dann kommen auf einmal wieder diese Momente, in denen sie die Welt um sich herum vergessen, nur mit ihrem gemeinsamen Spiel beschäftigt sind und in denen ich mich riesig freue, dass die beiden sich haben. Dann sehe ich, wir haben bisher alles richtig gemacht.
Beide Mädchen stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Doch ich sehe langsam ihre Flügel wachsen. Sie werden immer sicherer mit sich und ihrem Umfeld. Sie trauen sich mehr zu, werden selbstständiger, die Kleine noch schneller als die Große habe ich das Gefühl. Sie ziehen ihr Ding durch. Und das macht sie auch untereinander zu guten Spielkameraden. Vormittags sind sie in Vorschule und Kindergarten. Dort lernen sie wahnsinnig viel, was sie dann nachmittags wieder anwenden. Neulich saßen beide auf dem Boden, sich gegenüber, und Kind1 erklärte Kind2 die Körperteile. Kind2 lauschte gespannt und griff sich ebenfalls wie Kind1 an Ohren, Nase und Füße.
Es gibt wohl wahnsinnig viele Dinge, die sie sich gegenseitig besser selbst beibringen. Besser als ich das jemals könnte. Sie spinnen nun ihr enges Geschwisterband, das hoffentlich niemals reißen wird. Ich bin wahnsinnig stolz. Auf sie und auf mich und auf uns. Jette von Supermom sagt immer “Familie fetzt!” und genauso so ist das. Stress auf Arbeit oder Streit mit Kollegen, dumme Menschen im Supermarkt oder blöde Autofahrer im Straßenverkehr, ich kann das ganz schnell vergessen, wenn ich den Mädels einfach nur zuschaue. Ich beneide sie, wie sie alles um sich herum vergessen und in ihre Welt abtauchen. Wie sie sich gegenseitig zum Lachen bringen und sich darüber freuen. Ich hoffe ganz stark, sie werden das nie verlernen. Ich jedenfalls versuche es bei ihnen abzuschauen und ihnen gleichzutun.