Schwanger in Spanien – die Privatsphäre

Nun bin ich zum zweiten Mal schwanger in Spanien und auch beim zweiten Mal muss ich wieder feststellen, Schwangere werden hier anders behandelt als in Deutschland. So jedenfalls mein Empfinden. Die erste Erfahrung ist: Mein Bauch gehört nicht mehr mir. Ständig legt irgendwer, sei es Bekannter oder Fremder, die Hand auf meinen Bauch. Da wird gestreichelt, getastet oder gar gedrückt in der Hoffnung, man spürt einen kleinen Tritt des Babys. Liebe Leute, ganz ehrlich, wenn es selbst schon für den Vater schwierig ist, die Bewegungen des Babys zu erhaschen, warum denkt ihr, ihr schafft das?

Mein Bauch ist zum Allgemeingut geworden. Er scheint nicht mehr zu meinem Körper dazuzugehören. Es ist ja schon irgendwie nett, dass alle Menschen Anteil haben wollen an meiner Schwangerschaft. Aber muss es denn immer gleich mit Körperkontakt sein? Es ist ja generell so, dass Andalusier weniger Privatsphäre brauchen als andere Europäer. Sie lieben das Menschengetümmel, selbst bei hochsommerlichen Temperaturen und schwitzigen Körpern. Ein Beispiel dafür ist das jährliche Volksfest im Dorf, das Mitte August abgehalten wird. Da wimmeln die Einwohner dann bei 40 Grad Celsius und mehr auf dem Platz, tanzen dicht an dicht, drängeln an der Bar und haben so gar kein Problem mit Hautkontakt. Ich schon!

Ich finde nasse, schwitzige Körper, die sich an meinen Armen reiben, oder gar noch lange Haare, die mir ins Gesicht wedeln unerträglich. Im Sommer natürlich noch mehr als sonst. Doch dieses Jahr bleibt mir wohl nichts erspart. Mein letzter Schwangerenmonat ist ausgerechnet der August. Klar, ich gehe leichter bekleidet aus dem Haus als sonst. Was soll man auch machen bei dieser Riesenplautze und 38 Grad im Schatten? Dies scheinen viele als Einladung zu nehmen, um den Babybauch begrabschen zu können. Dazu kommen Fragen zu meinem allgemeinen Befinden, Schlafverhalten und Stuhlgang. Ja, hier wird kein Thema ausgelassen. Jeder möchte mitreden, jeder weiß Bescheid.

Ich hab sogar schon von Fällen gehört, bei denen schwangere Freundinnen im Supermarkt von älteren Damen angequatscht wurden. Ob sie denn Zwillinge bekäme?, wurde eine Freundin gefragt. Nein. Doch, doch beharrte die Dame, seien Sie sicher, der Ultraschall lügt, das werden Zwillinge. Eine andere war der festen Meinung, dass meine Freundin einen Jungen bekommt, obwohl ihr bei allen Untersuchungen versichert wurde, dass es ein Mädchen sei.

Was will man da noch sagen? Lautlos bis 117 zählen, leise oooohhhmmmm in sich hineinflüstern und durchhalten. Das ist meine Devise. Sind ja nur noch vier Wochen…

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