Schwanger in Spanien – die Geburt

Nach einem Monat der Pause habe ich es endlich mal wieder geschafft, mich an den Rechner zu setzen (mit einem kleinem Paket vorne umgeschnallt). Es hat sich so viel verändert, auf einmal sind wir zu viert. Also eigentlich erst einmal zu dritt, denn der Mann arbeitet und wohnt ja momentan vier Stunden von uns entfernt. Aber das soll ja nicht mehr lange so bleiben.

Und jetzt die große Frage: Wie war die Geburt? Nun, was soll ich sagen, ein Spaziergang war es nicht und ein wunderschönes Erlebnis, so wie es viele Mütter bezeichnen sicherlich auch nicht.

Es fing damit an, dass man mir nach dem zweiten CTG mitteilte, dass wenn sich die Zwergin nicht binnen 24 Stunden selbst auf den Weg macht, die Geburt eingeleitet werde, da sich recht groß sei und man verhindern wolle, dass sie noch mehr zulege. Na gut. Sie machte sich natürlich nicht selbst auf den Weg, also stand ich am 30. August frühmorgens um 8 Uhr in der Aufnahme des Krankenhauses. Man wies mir ein Zimmer zu, kontrollierte noch einmal Blutdruck, nahm Blut ab, machte ein weiteres CTG. Nach einer Stunde hieß es dann schon: „Abmarsch zur Entbindung!“

Der Mann war vollkommen aufgeregt und nervös, tippelte neben mir her und vergaß im Eifer des Gefechts meine Sandalen. (Wir haben sie danach nicht mehr gefunden, weil ich dann auf ein anderes Zimmer kam. Also ging ich später mit einem Baby im Arm aber ohne meine Lieblingssandalen nach Hause…)

Der Kreissaal war ein recht kleiner Raum, nicht unbedingt gemütlich aber auch nicht so furchtbar kalt und steril wie man das von Krankenhäusern erwartet. Die Hebamme war sehr jung und sehr nett, erklärte mir was man machen würde, also per Tropf das Hormon verabreichen, damit die Wehen in Gang kommen.

Zwei Stunden vergingen, die Wehen fingen langsam an, waren aber durchaus erträglich. Schon anfangs meldete ich, dass ich bitte unbedingt ein PDA haben möchte, ich bin ein wirkliches Weichei, was Schmerzen angeht. Die Hebamme sagte dem Anästhesisten Bescheid. Doch der kam und kam nicht. Drei Stunden waren vergangen, die Wehen waren mittlerweile unerträglich geworden, kamen alle paar Sekunden und legten keine Pause ein. Ich kannte das schon von meiner ersten Entbindung und wollte ja genau deswegen nubedingt die Narkose. Nach vier Stunden furchtbaren Wehen, Pressen und viel viel Schreien kam der Anästhesist. Es war fast nicht möglich, die PDA zu setzen, weil die Wehen so stark und ohne Pause kamen, dass ich nicht ruhig sitzen konnte. Wir schafften es dann doch.

Doch gleich darauf kam ein ganzes Ärzteteam herein marschiert und schickte den Man kurz hinaus. Man würde mir ein bisschen helfen, sagte mir der Arzt, denn wie schon Kind1 wollte auch Kind2 nicht so richtig raus rutschen. Und auf einmal waren sie wieder da, die Geburtszangen, die man auch bei Kind1 einsetzte.

Die Narkose wirkte leider noch nicht wirklich, waren ja noch nicht mal 5 Minuten vergangen, da setzte der Arzt auch schon an. Ja, das tat weh, sehr weh. Der Mann meinte später, ich hätte noch mehr geschrien als bei Kind1, man hätte es im ganzen Wartebereich gehört.

Er durfte aber sofort hereinkommen und sah noch das Baby herauskommen auf den letzten „Metern“. Und schon fing mein Baby auch an zu schreien, dieses kleine blaue runzelige Ding. Denn seien wir mal ehrlich, richtig niedlich sind die ja nun nicht, wenn sie so frisch geboren sind. Ich durfte Amelie sofort auf mich legen, auch hier wird der Hautkontakt von Mutter und Kind sehr groß geschrieben und so lagen wir da, eine Stunde nur das Kind, der Mann und ich. Dafür hatten sich die Schmerzen wahrlich gelohnt.

Leider verlor ich sehr viel Blut und musste noch drei Stunden zur Beobachtung allein bleiben. Doch dann durften wir alle aufs Zimmer und die Dreisamkeit genießen. Ich hatte auch echt Glück mit meiner Zimmernachbarin, nett und sympathisch. Das ist sehr wichtig, denn wenn man hier Pech hat, kommt man mit irgendwelchen lauten Familien zusammen, die um die 20-30 Angehörige um sich scharen und kein Ruhe geben. Alles schon gesehen.

Und nun sind wir doch tatsächlich schon drei Wochen zu Hause. Kind1 freut sich jeden Tag ein Loch in den Bauch, wenn das Baby einen Laut von sich gibt. Ja, jetzt gibt es auch hier endlich Geschwisterplüsch.

Nur komme ich leider zu gar nichts. Amelie ist sehr anhänglich, ohne Mama geht gar nichts, nicht dass mir noch einfiele, sie mal in ihr Bettchen zu legen…geht gar nicht! Aber das ist ja auch schön so, und diese Zeit geht eh viel zu schnell vorbei.

Also nicht wundern, wenn es auch weiterhin sehr ruhig hier ist, aber das ist so ein kleines kuscheliges Wesen, dass meine ganze Aufmerksamkeit braucht. In den sozialen Netzwerken könnt ihr ja unseren Alltag verfolgen…