Schwanger in Spanien – der Geburtsvorbereitungskurs

Ein zweites Mal bin ich nun schwanger, bereits in der 33. Woche, verstecken geht also nicht mehr. Da ich bei meiner ersten Schwangerschaft keinen Vorbereitungskurs absolvierte, wollte ich das in der zweiten jetzt nachholen, man lernt ja nie aus. Auch bei meiner ersten Schwangerschaft wollte ich ja eigentlich teilnehmen, doch dann hat die Hebamme doch wirklich gleich in der ersten Stunde einen Film einer Geburt gezeigt. Mir wurde schwindelig, dann kippte ich um. Ich ging nie wieder hin. Holte mir Informationen aus dem Internet.

Jetzt wollte ich es besser machen. Schwangere in Andalusien werden automatisch vom Hausarzt zur Hebamme geleitet. Diese sitzt ebenfalls im Gesundheitszentrum, zusammen mit den anderen Fachärzten. Ich ging also hin, sagte, dass ich schwanger sei. Sie gab mir mein kleines Schwangerenbüchlein, in das während der Gestation alle Untersuchungsergebnisse, die wiederum vom Hausarzt durchgeführt werden, eingetragen werden. Dann gab sie mir noch die Daten für den Kurs weiter. Fertig.

Erst Monate später, in der ersten Stunde des Geburtsvorbereitungskurses sah ich sie wieder. Sie ist eine sehr sympathische kernige Frau aus Pamplona, also Nordspanien. Ganz andere Mentalität und sehr erfrischend. Was behandelt man nun also in diesem Kurs?

Insgesamt dauerte er einen Monat, zwei Mal die Woche eine Stunde. Irene, die Hebamme, besprach mit uns die Schwangerschaft an sich, was man vermeiden sollte, also besonders den Nestbautrieb in Grenzen halten, öfters mal die Füße hochlegen und sich schonen. Nicht in die Hitze gehen, viel trinken usw. Besonders witzig fand ich, dass sie uns fast noch dazu anspornte, noch einmal die Partnerschaft zu genießen, in allen Bereichen. Sie machte sich über die Männer lustig, die denken, sie würden mit ihrem besten Stück das Baby berühren oder gar verletzen. Ich sag ja, sehr sympathisch.

Danach ging es auch um Risiken wie Bluthochdruck, Frühgeburten oder das Einleiten von Geburten. Über die Geburt an sich haben wir gar nicht soviel gesprochen. Nur was man machen kann, um sich zu entspannen, also ruhig atmen, vielleicht duschen oder sich bewegen. Ein wichtiges Thema war die Narkose, hier wird eigentlich generell eine PDA angeboten. Irene hat uns über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt.

Der letzte Teil des Kurses bestand aus der Pflege des Neugeborenen, Nabelpflege, Baden und Wickeln. Auch die Hygiene der Mutter wurde besprochen. Ganz interessant fand ich, dass Irene beispielsweise oft betonte, wie wichtig auch die psychische Pflege der Mutter ist. Das wir uns also auf keinen Fall stressen sollen, und wenn das Baby einmal nicht gebadet wird, die Welt nicht untergeht. Besonders den Familienbesuchen widmete sie einen Teil ihrer Zeit. Hierzulande ist es nämlich so, dass die Angehörigen gerne auch schon Stunden nach der Geburt im Krankenhaus auf der Matte stehen. Und dann geht es tagtäglich weiter, sobald man zu Hause ist. Mich nervte das extrem, ich fühlte mich eingeengt und auch belästigt. Wenigstens das Wochenbett kann man doch abwarten!

Nein, hier stürmen sie die Bude, machen es sich bequem auf deinem Sofa, trinken Kaffee, essen Kuchen und sind schwer wieder aus dem Haus zu kriegen. Hier im Dorf ist das noch eine Spur krasser, wohnen ja alle gleich um die Ecke. Irene wies also darauf hin, dass man auch gerne mal Besuch nicht reinlassen darf, falls man sich nicht wohlfühlt. Dass die Wohnung nicht blitzen muss, und dass anderes vorgeht. Schade, dass man das vielen Frauen hier sagen muss, aber so ist es. Ich für meinen Teil habe den Mann schon mal gebeten, herauszufinden, wie man die Klingel abstellt. Denn dieses Mal will ich das Wochenbett genießen und meine Ruhe haben.

Wichtig fand ich auch, dass die Hebamme über postnatale Depressionen sprach, ein Thema, dass hier nicht sehr bekannt ist. Genauso wie das Training des Beckenbodens nach der Geburt. Gab es bis vor ein paar Jahren nicht.

Was ich vermisst habe? Es wird eigentlich keine Alternative zur Geburt im Krankenhaus angeboten. Nicht, dass ich so mutig ware, zu Hause zu entbinden. Aber man könnte ja mal drüber sprechen, was es noch so gibt. Gibt es hier aber nicht wirklich. Entbunden wird im Krankenhaus, mit dem Personal, das gerade Dienst hat. Wenn man Pech hat, so wie ich bei meiner ersten Entbindung, gibt es noch einen Schichtwechsel und man kriegt noch einmal neues Personal zugewiesen. Aber eigentlich kann ich mich nicht beschweren. Auch wenn es vielleicht etwas unpersönlich zuging, alle waren sehr nett, hilfbereit, unterstützten mich und bestärkten mich, dass ich alles richtig mache. Eine schöne Geburt war es aufgrund der Komplikationen nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Alles in allem war der Kurs ganz erheiternd, aber allzu viel habe ich nicht dazu gelernt. Und Kontakt zu anderen Mamis habe ich auch nicht wirklich geknüpft. Da habe ich mal wieder gemerkt, dass sich unsere Denkweise etwas unterscheidet. Während ich mir Gedanken mache, welches Tragetuch ich nun kaufen werden, machten sich andere Schwangere eher Sorgen um die Ausstattung des Kinderzimmers, ob jetzt blaue oder grüne Schleifen um das Babybett und welche Ohrringe für das Neugeborene die schönsten seien. Ist halt doch eine andere Welt. Ich mag sie trotzdem, auch wenn ich sie nicht immer verstehe.