Noch einmal Exklusivzeit mit der Tochter

Die Zeit des Einzelkindes geht langsam zu Ende. Noch zweieinhalb Wochen bis zum errechneten Geburtstermin des Babys. Dann wird sich für das Tochterkind so ziemlich alles ändern. Ein bisschen habe ich Angst davor, wie sie wohl reagieren wird. Auch, wenn ich mir eigentlich sicher bin, dass sie eine hervorragende große Schwester abgeben wird. Schon jetzt kümmert sie sich rührend um meinen Babybauch, streichelt, gibt Küsschen und fragt, ob das Baby auch etwas essen möchte, wenn sie einen Keks nascht. Seit das Babybett aufgebaut ist, legt sie ihre Puppen hinein und singt sie in den Schlaf. Und immer wieder betont sie, dass sie ‚Baby Amelie‘ lieb hat.

Trotzdem wollte ich die Zeit vor der Geburt noch einmal ausgiebig nutzen, mich nur um die Zwergin zu kümmern. Da ich als Freelancerin, arbeite habe ich ja eigentlich keinen Mutterschutz. Ich habe mir trotzdem seit dem 1. August ‚freigenommen‘. Der Mann und ich haben das durchgerechnet, ja es gibt finanzielle Verluste, doch das dass ich dafür meine Zeit ausschließlich dem Kind widmen kann, ist es uns wert. Seit dem 1. August ist nämlich auch der Kindergarten zu. Und so verbringen die Tochter und ich nun die Tage gemeinsam, stehen gemeinsam auf, gehen gemeinsam ins Bett, machen gemeinsam Mittagsschlaf…

Denn hier ticken im Sommer die Uhren etwas anders. Vor 22.30 Uhr ist es fast unmöglich, das Kind ins Bett zu bringen und das ist noch sehr früh für andalusische Verhältnisse. Meine Nichten, beide 5 Jahre alt, gehen mitunter erst gegen 1 oder 2 Uhr in der Nacht ins Bett. Das ist mir dann doch zu spät. Das würde mein hochschwangerer Körper wohl nicht packen. Nein, das Kind und ich haben unseren eigenen Rhythmus entwickelt und es läuft ganz gut.

Erst hatte ich ja Bedenken, so 24 Stunden Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist schon anstrengend. Da merkt man erst einmal, was für ein Glück so ein Kindergartenplatz ist. Das Kind lässt mich ja nicht einmal alleine auf Toilette gehen. Diese Zeilen kann ich schreiben, weil der Fernseher läuft – ja das muss auch mal sein. Aber wir machen auch ganz viel schöne Sachen zusammen, basteln, malen, tanzen, singen und gehen spazieren. So richtig gemütlich haben wir es uns gemacht, sind ein eingespieltes Team geworden. Der Mann, der ja außerhalb arbeitet, versucht einmal die Woche zu kommen und dann kann ich auch mal ein bisschen Me-Time genießen.

Doch ganz ehrlich, es ist wunderbar, so in den Tag hineinzuleben mit Kleinkind. Hätte ich nicht erwartet, da ich schon sehr an meiner Arbeit hänge. Gestern waren wir im Kino und haben uns ‚Pets‘ angeschaut. Die Tochter quiekte vor Glück und Freude und ich auch.

Die Zeit geht so schnell vorbei, über zwei Wochen verbringen wir jetzt schon auf diese Weise und ich könnte noch viel länger so glücklich die Zeit verbringen. Das ist die Slow-Bewegung in Reinform. Wer mal abschalten will vom Berufsleben, sollte einfach mal zwei Wochen mit Kleinkind in den Tag hineinleben, ohne großartige Pläne. Sich treiben lassen. Schauen, was das Kind so mit der Zeit anstellt und sich anregen lassen. 

Bald wird es vorbei sein mit unserer Ruhe, doch auch auf die kommende Zeit mit ‚Baby Amelie‘ freuen wir uns sehr. Und ich bin überglücklich, dass ich die Möglichkeit hatte, noch einmal soviel Exklusivzeit mit dem Tochterkind zu verbringen. Wir sind uns noch einmal näher gekommen, obwohl wir ja eigentlich eh schon eine starke Bindung hatten. Ich habe noch einmal viel von ihr lernen können, Dinge, die normalerweise in unserem schnellen Alltag untergingen. Jetzt werden wir noch die restliche gemeinsame Zeit für uns nutzen und Mutter-Tochter-Quatsch machen. Bald bricht eine neue Etappe an…