Meine Suppe ess ich nicht

Wer mir auf Instagram folgt, der weiß bereits: Ich lebe mit einem Mäkelfritzen zusammen. Ich poste gerne unser Mittagessen mit Mutterteller vs. Tochterteller, denn auf ihrem Teller sieht es meist ganz anders aus als auf meinem. Und jeden Tag frage ich mich erneut: Warum ist das so? Das Kind war stets ein guter Esser. Als wir mit der Beikost starteten war sie sehr interessiert an allen Lebensmitteln, schlang Obst und Gemüse in sich hinein, die Farbe spielte keine Rolle, sie aß einfach alles und ich freute mich riesig. „Mein Kind ist ein guter Esser, ich habe überhaupt keine Probleme“, erzählte ich allen.

Dann kam das Kind in die Kinderkrippe mit etwas mehr als einem Jahr und wurde etwas mäkelig, aber es hielt sich im Rahmen. Dass der Speiseplan der Einrichtung nicht unbedingt große Vielfalt bot mag dazu beigetragen haben. Auf einmal fingen an den Wochenenden die Kämpfe an. „Nein, das esse ich nicht!“ Das Kind verweigerte komplett und ich war machtlos. Der Mann meinte sie müsse gezwungen werden, ich hielt das für kompletten Schwachsinn und versuchte mich in Geduld. Immer wieder las ich Ratgeber und Interviews, grad diese Woche habe ich erst wieder ein interessantes Interview bei Bettie von Das frühe Vogerl gelesen. Kein Zwang, Geduld, immer wieder anbieten ist überall zu lesen. Genau das machen wir und irgendwie klappt es trotzdem nicht.

Während der Mann und ich stets mit gutem Beispiel vorangehen und Gemüse und Salat wie die Weltmeister vorkauen, möchte das Kind sich nur von Würstchen ernähren. Äpfel gehen grad noch so. Nudeln müssen ohne Soße sein, nur eine bestimmte Brotsorte wird akzeptiert, dafür jedoch am liebsten Wackelpudding zum Nachtisch auserkoren. Ausgewogen ist anders. Das geht jetzt so, seitdem das Kind nicht mehr im Kindergarten isst. Man erzählte mir ja heldenhafte Taten aus der Küche der Vorschule, denn dort hatten wir wenigsten 2 Monate mal einen Platz bekommen. Tunfischfilet mit gedämpften Brokkoli und Salat habe das Kind verzehrt. Tomate, Möhren und Ananas esse am liebsten. „Aha“, dachte ich mir. Das läuft ja super.

Dann verloren wir den Platz und seitdem isst das Kind jeden Tag zu Hause. Willkommen in Mäkellandia! Ich wälze Kochbücher, besuche Internetforen, habe Newsletter mit Rezepten abonniert. Alles mit wenig Erfolg. Vom Fleisch fällt das Kind sicherlich nicht, doch manchmal ist es wirklich schwierig, sie zum Essen zu bewegen. Ich vermisse meine Gerichte, die ich sonst zu kochen pflegte, aber mit einem leckeren Blumenkohlcurry wie ich es neulich bei Alu von Grosseköpfe gesehen habe, brauche ich gar nicht erst kommen. Also einfache Sachen, ohne Schnickschnack und ohne Soße. Natürlich lasse ich das Kind mitmachen, Gemüse schnippeln ist eine Lieblingsbeschäftigung, nur gegessen wird es dann eben nicht. Umrühren, mischen, belegen…das alles macht das Kind sehr gerne. Nur essen kann ich dann allein.

Wann hört das endlich auf? Ist das wirklich nur eine Phase? Wie kann es sein, dass bei Allesfresser-Eltern solche Mäkelfritzen herauskommen? Wer leidet genauso und wer hat es schon hinter sich? Gibt es vielleicht eine Gruppe der anonymen Mäkelfritzen-Eltern?

In diesem Sinne, guten Appetit!