Mein Wiedereinstieg nach einem Jahr Babypause

Mein Babyjahr ist um. In weniger als zwei Wochen wird das Baby ein Jahr alt und meine selbstgewählte Pause ist vorbei. In Spanien besteht der Mutterschutz ja aus gerade einmal 16 Wochen, das sind nicht ganz vier Monate. Das war mir zu wenig. Deshalb habe ich mir eine unbezahlte Auszeit genommen, denn in diesem Fall war mir die Zeit mit meinem Baby tausend mal wichtiger als ein festes Gehalt. Dadurch habe ich jedoch auch meinen alten Job verloren. Ein Wiedereinstieg war nicht möglich.

Also machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Job. Ab September wollte ich wieder arbeiten. Jetzt habe ich zwar schon Mitte August begonnen, aber erst einmal nur halbtags, denn noch hat die Große Schulferien und die Kleine fängt erst am 1. September mit der Eingewöhnung an.

Ich muss sagen: Es fühlt sich gut an. Natürlich vermisse ich die Mädels. Ich war ein Jahr zu Hause und konnte mich auf sie konzentrieren. Auch die Große hat es sehr genossen, dass ich für sie da war und zwar immer. Für das Baby halte ich es nach wie vor für die beste Entscheidung, auch wenn ich meinen Arbeitsplatz eingebüßt habe. Wir haben unsere Bindung gefestigt, uns in aller Ruhe kennengelernt und aufeinander eingestellt. Ich habe Amelies erste Krabbelversuche gesehen und nun die ersten Schritte. Ich war stets an ihrer Seite und bin glücklich, dass ich ihre Entwicklung ein Jahr lang mitverfolgen konnte.

Doch nun war es auch an der Zeit, wieder in das Berufsleben einzusteigen. Ich wollte wieder meinen Kopf benutzen. Wollte wieder in die Welt der Erwachsenen eintauchen. Wollte wieder über andere Dinge sprechen als Abstilllen, Beikost und Windelmarken.

Jetzt bin ich seit einer Woche wieder dabei und es tut so gut. Natürlich ist es anstrengend. Ich muss früh raus, verlasse das Haus, wenn die Mädels gerade aufstehen. Doch es ist schön wieder unter Kollegen zu sein. Und genauso schön ist es dann nach Hause zu kommen, die Mädels in die Arme zu schließen und den Nachmittag gemeinsam zu verbringen. Denn wenn man mal wieder etwas Abstand von den Kindern bekommt, kann man sich danach umso besser auf sie einlassen. Das ist jedenfalls bei mir so. Ich genieße die Stunden im Büro. Ich kriege den Kopf frei von all den Haushaltsdingen, die sich im Laufe der Zeit so angebahnt haben. Einmal nicht drüber nachdenken, was es heute zum Mittag gibt oder ob es die Kinder essen werden. Nicht mehr den Vormittag zwischen Waschmaschine, Geschirrspüler und Staubsauger verbringen. Klar, das muss jetzt alles irgendwie am Wochenende gemacht werden. Und vor allem muss der Mann jetzt mehr einspringen. Der muss nämlich jetzt frühmorgens die Mädels fertig machen und, bis Schule und Kita losgehen, zu seiner Mutter bringen. Aber es klappt.

Dafür haben die Mädels eine zufriedene und halbwegs ausgeglichene Mutter. Ich gebe es ehrlich zu und ich ziehe meinen Hut vor all den Müttern, die sich jahrelang um Kinder und Haushalt kümmern: Ich finde den Büroalltag etwas entspannter als einen kompletten Tag alleine mit den Kindern. Das ist einfach so. Ich liebe meine Mädels über alles in der Welt. Schon aus diesem Grund habe ich mir eine Arbeit gesucht, die halbwegs kompatibel mit den Kindern ist (Hierzulande sind die Arbeitszeiten gerne auch bis 20 oder 21 Uhr). Aber manchmal muss man ja doch mal den Kopf frei kriegen, ein bisschen Abstand gewinnen, um dann mit neuer Energie in den Familienalltag zu starten. Und mir hilft dabei arbeiten, ganz abgesehen vom finanziellen Aspekt. Ich suche jetzt nicht nach Selbstverwirklichung oder einer erfolgreichen Karriere, dafür sind mir die Mädels noch zu jung und ich habe keine Lust, 10 oder 12 Stunden im Büro zu sitzen. Das macht der Mann schon. Schließlich haben wir uns explizit für Kinder entschieden und zwar nicht, um sie dann von Betreuung zu Betreuung zu schicken. Aber etwas Arbeitsalltag kann helfen, um die Zeit mit den Kindern qualitativ hochwertig zu gestalten und nicht nur Zeit abzusitzen und zu warten, dass man die Kinder ins Bett bringt. Ich hatte so manche Tage an denen ich froh war, wenn die Mädels endlich im Bett waren. Ständig aufeinander hocken ist nämlich auch nicht immer toll. Die Ferien sind hier sehr sehr lang und manchmal gibt es dann eben so Tage, an denen wir explodieren, entweder die Mädels oder ich.

Seit ich diese Woche wieder arbeite habe ich das Gefühl, auch die Mädels sind entspannter, haben vormittags ein anderes Umfeld und nachmittags Zeit mit mir, die wir sinnvoll nutzen. Ich hoffe, das bleibt eine Weile so und ich bin gespannt, wie das wird mit der Eingewöhnung beim Baby, was ja dann schon einen Tag kein Baby mehr ist. Wer will, kann bald mehr darüber lesen.