Manchmal habe ich ein Wutkind, doch das ist ok

Eine meine Lieblingsbloggerinnen, Dani von Glucke und So rief zur Blogparade auf. Thema: die Autonomiephase, ein ganz großes Thema überall, wo es um Kinder geht. Auch wir, das Kind und ich, haben im Moment damit zu kämpfen.

Das Essen

Meine Tochter ist gut 2,5 Jahre, Ende Juni werden es schon drei, und logischerweise will sie alles alleine machen. Oder eben sie weigert sich strikt, also das genaue Gegenteil. Dabei geht es meist um zwei Dinge, Essen und Kleidung. Essen ist und bleibt hier einfach ein sehr schwieriges Gebiet. Da kann ich noch so sehr gute, gesunde und leckere Gerichte zaubern und voressen. Die Antwort lautet meistens „Nein“. Ja, da entscheidet das Kind sehr autonom. Phasenweise wird sich ein Lebensmittel herausgesucht, dass gerne gegessen wird. Momentan ist es Leberkäse-Aufschnitt und Manchegokäse. Gute deutsch-spanische-Mischung, wie das Kind eben selber auch. Da sie jedoch täglich in der Kita Mittag isst und dort frisch gekocht wird, mache ich mir keine allzu großen Sorgen. Lasse ihr ihren Willen und schlucke meinen Frust herunter. Nur an den Wochenenden geraten wir aneinander. Wenn es heißt, mindestens drei Mahlzeiten am Tag gemeinsam einzunehmen und sie sich komplett verweigert, auf den Boden wirft, Krokodilstränen rollen und Arme und Beine in die Luft geschmissen werden, dann muss ich gaaaaanz tief durchatmen. Dann heißt es abwarten. Wenn sie sich beruhigt hat, nehme ich sie auf den Schoß, umarme sie und meist isst sie dann wenigstens einen kleinen Happen. Das ist die Lösung, die wir für uns gefunden haben.

Die Kleidung

Auch beim Anziehen ist es ähnlich. Das Kind hat schon ziemlich genaue Vorstellung, was sie anziehen möchte, meist handelt es sich jedoch genau um ein Kleidungsstück, das entweder in der Wäsche, zu klein oder noch zu groß ist oder nicht der Witterung entspricht. Dann muss die blöde Mama wieder Nein sagen und versuchen, etwas Passendes zu finden, was dem Geschmack des Tochterkindes entspricht. Das ist definitiv nicht einfach. Kommentare der Omas dazu sind: Da muss das Kind durch, sie kann nicht immer ihren Willen haben. Ja, das klingt irgendwie logisch, und trotzdem bin ich nicht der Meinung. Wer einmal gesehen hat, wie das Kind an einem T-Shirt zieht und zerrt, das es einfach nicht anziehen will, der würde vielleicht auch anders entscheiden. Ich kann das nicht mit ansehen und versuche also, ihr den Gefallen zu tun und ihr etwas anzuziehen, das ihr auch wirklich genau in diesem Moment gefällt. Ist das jetzt schon verziehen und zu sehr verwöhnen? Ich weiß es nicht, doch solange meine Nerven es mitmachen, werde ich so handeln.

Manchmal würd ich auch gern

Was ich in dieser Zeit gelernt habe: Geduld, ganz viel Geduld. Ja, natürlich, ab und zu reißt auch bei mir dieser Faden und ich werde laut. Doch oft passiert das nicht und im nächsten Moment liegen wir uns eh wieder in den Armen. Ich weiß, dass es auch für meine Tochter keine leichte Zeit ist. Sie lernt momentan so viele Dinge, es wird von ihr erwartet, selbstständig zu sein, das kann zur Überforderung führen. Das geht mir doch ganz genauso, wenn sich beispielsweise Dinge auf der Arbeit angestaut haben. Dann möchte ich mich manchmal auch am liebsten auf den Boden werfen, in meine Schuhe beißen (ja, das macht das Kind neuerdings und ich muss ehrlich gesagt drüber lachen) und mich austoben. Mach ich nicht, weil ich dann wohl meinen Job verlieren würde.

Ich muss dem Kind auch zu Gute halten, dass die heißen Phasen meist nur in den eigenen vier Wänden passieren. Will heißen, dort, wo sie sich aufgehoben und geborgen fühlt, nur halt manchmal eben überfordert. Wahrscheinlich weiß sie einfach, dass ich nach Wutanfall trotzdem für sie da bin, sie in den Arm nehme und die Welt sich weiter dreht. Und genauso ist es auch. Die Welt dreht sich weiter und in ein paar Jahren werde ich es wahrscheinlich sogar vermissen, das Kind so nah bei mir zu haben. Denn auch Wutmomente sind intime Momente, die irgendwann nicht mehr da sein werden.