Mama in Andalusien – das Wochenbett

Seit ich die gute Nachricht verbreiten durfte, dass wir ein weiteres Kind erwarten, habe ich der spanischen Familie auch Stück für Stück versucht zu erklären, dass ich einige Dinge anders machen möchte als beim ersten Kind. Besonders was Besuche und Geschenke angeht.

Hier ist es sehr üblich auch gleich im Krankenhaus zu erscheinen, um der jungen Mutter zu gratulieren und um sich das Baby anzuschauen. Das habe ich mir dieses Mal verbeten. Ich finde es ehrlich gesagt eine Unart, 24 Stunden nach der Geburt oder gar noch früher die Mutter und das Kind zu belästigen. Ich kenne keine frisch gebackene Mutter, die sich darüber freut. Trotzdem wird besucht. Aber nicht mich.

Auch nach der Ankunft zu Hause stehen gerne schon die Besucher an de Tür. Mütter kommen also nicht wirklich zur Ruhe. Die andalusische Frau an sich, so wie ich sie aus dem Dorf kenne, also ich rede jetzt mal über einen Stereotyp, ist dann auch noch so eifrig am Putzen und Bedienen, damit sich die Gäste wohlfühlen. Will ich nicht, mach ich nicht. Wer hier zu Besuch kommt, muss auch mal Unordnung und Staub sehen und bewirten tu ich schon mal gar nicht. Ich hatte nämlich eine schwere Geburt hinter mir und will eigentlich nur mit meinem Baby ins Bett kriechen. Das hab ich von Anfang an klar gestellt und die meisten akzeptieren es.

Ein weiteres Thema sind die Geschenke. Es ist üblich den Neugeborenen etwas zu schenken, meistens Kleidung. In unserem Fall waren das bei Kind1 ganz ganz viele Kleider mit Rüschen und Schleifen. Sachen, die Elisa nicht einmal angezogen hatte, weil ich sie viel zu unbequem für ein Baby finde. Also sagte ich dieses Mal, wer uns wirklich eine Freude machen möchte, schenkt Windeln oder Essen oder sonst so praktische Sachen. Auch hier haben sich einige daran gehalten, aber leider nur wenige. Also hängen hier wieder rosa Kleider im Schrank, bereit zum Weiterverschenken.

Was das Wochenbett an sich angeht wird das hier glaube ich nicht so respektiert wie in Deutschland. Jedenfalls habe ich das Gefühle, wenn ich mich so bei Familie Berlin, Fruehes Vogerl oder Grosse Köpfe oder auch Heikeland umschaue, dass dort mehr Ruhe und Bettaufenthalte herrschen als hier. Hier stehen junge Mütter schon nach ganz kurzer Zeit wieder auf der Matte und schmeißen den Haushalt, gehen einkaufen und machen wieder normalen Alltag.

Bei mir war es dieses Mal leider auch so, ich durfte mich eine Woche ausruhen. Dann wurde der Mann krank…

15 Tage nach der Geburt musste er auch schon wieder abreisen und ich war mit meinen beiden Mädels auf mich gestellt. Gut, dass ich schon kurz nach der Geburt wieder recht fit war. So befinde ich ja eigentlich genau gesehen noch im Zeitraum des Wochenbettes, aber hier herrscht schon wieder purer Alltag. Wenigstens habe ich 16 Wochen Mutterschaftsurlaub, heißt das so? das Wörtchen Urlaub passt ja nun nicht ganz, also bis Ende des Jahres habe ich „frei“. Ob sich mein Körper bis dahin auch wieder an die ewige Müdigkeit gewöhnt?

Wie war oder ist das bei euch? Wie haltet ihr das mit dem Wochenbett?