Lasst uns einen Ponyhof erschaffen

Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit hörte ich im Radio eine Diskussion zum Thema Glück und Kinder. Eine Hörerin, kinderlos, fragte wie das denn nun so sei, wenn man Kinder hat, man sagt ja Kinder machen glücklich, doch wenn sie sich ihre Freunde anschaue, sähe sie da kein Glück, sondern nur Stress, Arbeit und Zeitmangel an allen Enden. Wenn das so wäre, hätte sie lieber keine Kinder.

Da kam bei mir schon die erste Frage auf: Muss man wirklich fremde Leute fragen, wenn man sich beim eigenen Kinderwunsch nicht sicher ist? Können einem fremde Menschen eine Auskunft darüber geben? Ich denk nicht. Das ist ja wohl eine Sache, die man für sich persönlich entscheiden muss. Die eigene Situation, Lebensphase und Umfeld spielen eine zu große Rolle, als dass irgendwelche Hörer frühmorgens Auskunft darüber geben könnten.

Dann kamen die Antworten der Hörer. Die Erste sagte, sie habe ein 9 Monate altes Baby und ja, Kinder nehmen Lebensqualität, sie vermisse ihre Freunde, das gemeinsame Essen gehen und abends weggehen, wenn sie das alles vorher gewusst hätte, hätte sie vielleicht kein Kind bekommen. Also nicht, dass sie sich überfordert fühlt oder den Babyblues hat, nein, sie will einfach in ihr altes Leben zurück.

Huch! Nach nur 9 Monaten zu dieser Meinung zu kommen find ich schon ganz schön heftig. Klar sind die ersten Monate und meiner Meinung nach Jahre kein Ponyhof. Mein kleines Mädchen hat mit fast 15 Monaten gerade einmal 3 Nächte durchgeschlafen. Ja, ist anstrengend sowas, vor allem wenn man Vollzeit arbeitet. Hat mir vorher auch keiner gesagt, dass es so anstrengend werden kann.

Der zweite Anrufer meinte, Kinder stehlen dir keine Lebensqualität, nein sie stehlen dir Leben.

Was ist denn mit den Leuten bloss los, frage ich mich? Sind jetzt Kinder an allem schuld? Ist es ihre Schuld, dass die Eltern keine Zeit haben? Dass sie sich gehetzt fühlen, keinen Moment der Ruhe haben und ihr Privatleben anders verläuft, als sie sich das vielleicht wünschen? Die Mehrheit der Eltern hat doch wohl bewusst den Entschluss gefasst, Kinder in die Welt zu setzen, jedenfalls gehe ich mal davon aus. Dass das eine gravierende Veränderung bedeutet, ist ja wohl auch den meisten bewusst.

Natürlich gab es auch Anrufer, die bestätigten, dass ihre Kinder das Beste sind, was ihnen im Leben passiert sei. Ob man jetzt glücklicher mit oder ohne sie ist könne man ja so nicht sagen, das Glück sei einfach ein anderes.

Was aber bei der ganzen Diskussion stets in meinem Kopf herum schwirrte war die Frage, warum man so etwas im Radio besprechen muss und was für Vorstellungen doch manche vom Kinderkriegen haben. Kinder werden in die Welt gesetzt, weil das eben so dazugehört, aber vom alten Leben davor will man kein Stückchen abgeben. Ich sehe es bei einigen in unserem Bekanntenkreis auch. Sie lamentieren jedes Mal, wie viel Arbeit die Kinder machen, dass sie gar nicht mehr zur Ruhe kommen, die Kinder fordern ihre gesamte Zeit ein.

Aber ist das nicht einfach so, wenn man Kinder hat, besonders am Anfang? Es ist doch vollkommen normal, dass Babys und Kleinkinder ihre Eltern rund um die Uhr um sich haben wollen und sich mit ihnen beschäftigen möchten. Wenn ich das bei meinen Freunden anmerke, erhalte ich Kommentare von wegen ich verwöhne meine Kinder zu sehr, ich richte mein Leben nach ihnen aus. Ich werde bemitleidet, dass meine Kinder gegen 20 Uhr schlafen gehen, weil so können wir ja nie abends wegbleiben und auf Feste gehen. Ich finde es vollkommen normal, dass in den ersten Lebensjahren meine Kinder an erster Stelle stehen. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem sie mich nicht mehr brauchen, nicht mehr ständig an ihrer Seite haben wollen und dann werde ich meine Leben wieder anders ausrichten. Und dann werde ich es schrecklich vermissen, dass sie mich nicht mehr 24 Stunden am Tag brauchen und dann muss ich mir ein Hobby suchen, werde wieder mit Freunden ausgehen und ein Leben „nach“ den Kindern haben. So sehe ich das, es gibt ein Leben vor den Kindern, eines mit und eines nach ihnen, wenn sie groß genug sind und anfangen, ihre Eltern peinlich zu finden. Alle diese Lebensabschnitte bringen Glück und manchmal auch Leid mit sich, so ist das eben. Das Leben ist kein Ponyhof, aber wir können daran arbeiten es zu einem zu machen.