La familia

La familia

Leben mit einem spanischen Mann bedeutet leben mit einer Großfamilie. Der Mann hat zwei Geschwister, noch relativ normal. Die Schwiegereltern haben jeweils fünf Geschwister, macht also schon mal jeweils zehn Tanten und Onkel von beiden Seiten, zwanzig insgesamt. Die wiederum haben natürlich auch alle Kinder, die nun ebenfalls schon wieder Kinder in die Welt gesetzt haben. Wie viele Cousins und Cousinen der Mann nun tatsächlich hat, entgeht meinem eh schon recht schlechten Zähltalent. Es müssen so um die vierzig sein. Zuviele jedenfalls, um sich alle Namen merken zu können. Ich nenn sie einfach immer nach ihren Tätigkeiten oder anderen leicht zu identifizierenden Merkmalen, Thermomix-Eva vertreibt die tollen Küchenmaschinen und warum Zahnlücken-José so heißt, muss ich ja wohl nicht erklären. Wie jetzt wiederum deren alle Kinder heißen, weiß ich nun wirklich nicht, bei mir heißen die alle ‚Du, da‘.

Langweilig wirds eigentlich nie, irgendeinen Klatsch oder Tratsch gibt es immer zu verbreiten. Zu normalen Familienfesten wie Namenstag oder einfach mal so sind wir gerne schon mal so um die 40 Personen, die sich um den Grill sammeln, eiskaltes Bier zischen und über die anderen, die nicht gekommen, sind lästern. Für meinen Minimensch ist das was ganz Tolles. Soooooo viele Spielgefährten, die einem das Teilen von Spielzeug und andere Qualitäten beibringen können.

Bei Geburt eines Kindes wird man hierzulande mit Geschenken überschüttet. Meine Tochter hat herzallerliebste Kleider mit Spitze und Schleifen bekommen. Die möchte ich so gut pflegen, dass sie immer noch ganz neu im Schrank hängen. Leider passt der Minimensch jetzt nicht mehr rein, upps! Ok, hier übertreiben die Spanier, besonders die Andalusier schon ein bisschen. Mir würde es jedenfalls nicht einfallen, einem zweimonatigen Knirps Spitzenkleider anzuziehen. Nun, Geschmäcker sind verschieden. Dafür mussten sich auch erst alle dran gewöhnen, dass meine Tochter immer noch keine Ohrstecker trägt. Ohrlöcher werden hierzulande gerne am besten gleich im Kreissaal verpasst. Dieses Ritual erinnert mich an afrikanische Stämme, es soll ja einge geben, die den Säuglingen tellerähnliche Metallplatten in die Lippen oder Ohren schieben.

@freeimages

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Ich hab’s nicht gemacht, also das mit den Ohrlöchern. So war der Minimensch eine Außerirdische unter den ohrsteckertragenden Knirpsmädchen. Doch mittlerweile haben sich alle dran gewöhnt und schenken auch keine Ohrringe mehr. Es wird bestimmt immer einige Sachen geben, die mein iberischer Stamm doof von mir findet und umgekehrt. Und trotzdem passt es genauso wie es ist. Also ich möchte sie auf keinen Fall mehr hergeben, meine spanische Familie.

One Comment

  1. Sandra Winter
    Januar 22, 2015 @ 9:58 pm

    Das hört sich wirklich toll an :-) aber auch etwas stressig :-)

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