#Kurzgebloggt: Wohin mit den kranken Kindern?

Spanien ist ein kinderfreundliches Land heißt es oft. Viele Urlauber sind immer wieder überrascht, was Kinder hier alles „dürfen“. Man geht ganz selbstverständlich mit ihnen abends ins Restaurant, sie rennen im Supermarkt herum, schreien über die Straße und keinen stört es. Das stimmt, Kinder werden hierzulande in der Öffentlichkeit besser geduldet als vielleicht anderswo. Man stört sich nicht an ihnen, wenn sie laut sind. Das mag auch daran liegen, dass Spanier oder besser gesagt Andalusier generell gerne lauter sind, für meinen Geschmack manchmal zu laut.

Fremde Menschen machen mit Kindern Faxen, sie werden gerne getätschelt und allgemein ist man sehr freundlich zu ihnen. Spanier rühmen sich gerne damit, so kinderfreundlich zu sein. Doch einen Aspekt gibt es, bei dem Kindern nicht gerne gesehen werden, oder einfach ignoriert werden. Nämlich in der Arbeitswelt. Wer Kinder hat, kleine dazu und berufstätig ist, muss wahre Verrenkungen vollbringen, um beides irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Oft geht das leider nicht. Späte Arbeitszeiten machen es schon unmöglich, die Kinder pünktlich von der Kita oder Schule abzuholen. Viele Eltern arbeiten bis 19 Uhr, die Schulbetreuung endet aber meist 16 Uhr. Hinzu kommen Wochenenden, Schichtdienste, sehr sehr lange Geschäftszeiten etc. Für Familie bleibt fast nie Zeit. Wie auch, wenn man beispielsweise in einem Supermarkt arbeitet, der bis 22.20Uhr geöffnet ist? Aber dieses Problem gibt es ja auch in anderen Ländern.

Wir sind nun aber auf ein neues Problem der Vereinbarkeit gestoßen. Was tun, wenn das Kind krank ist? Krankentage für Eltern gibt es nämlich nicht. Klar, man kann Urlaub beantragen, sich vom Chef anhören, warum man den nicht früher eingereicht hat und den Sommerurlaub streichen. Oder aber man greift auf die spanische Lösung zurück und bringt die Kinder zur Oma. Wer keine vor Ort hat ruft einen Babysitter an. Das ist keine schöne Art, mit kranken Kindern umzugehen. Meiner Meinung nach sollten sie zu Hause bei den Eltern sein, wenn es ihnen nicht gut geht. Die Eltern geben ihnen all die Geborgenheit und das komplette Verwöhnprogramm, das sie brauchen, wenn sie sich nicht gut fühlen. Sie einfach abzuschieben finde ich nicht schön.

Mit tat mein Herz weh, als ich mein kleines Fieberbaby zur Oma geben musste, damit ich arbeiten kann. Aber es ging nicht anders, ich bin noch neu in meinem Job, kann also noch keinen Urlaub einreichen und der Mann hat ja sowieso nie frei. So musste mein Baby drei Tage zur Oma, was ja auch kein Drama ist, doch ich finde, wenn man krank ist, will man doch eigentlich nur mit Mama kuscheln. Sie wollte jedenfalls sofort, als ich von Arbeit kam. Und so trug ich sie dann die ganzen Nachmittage mit mir herum, keinen Zentimeter rückte sie von mir ab. Wahrscheinlich, weil sie wusste, dass es morgens wieder zu Oma geht. Natürlich ist die Oma besser als ein Babysitter, doch am besten wären doch wohl die eigene Mutter oder der Vater gewesen, um das kranke Baby zu pflegen. Und so geht es vielen Familien. Es gibt keinen einzigen Krankentag für Eltern, wenn die Kinder krank werden. Elternzeit beträgt übrigens für Mütter 16 Wochen und für Väter wurde dieses Jahr von einer Woche auf zwei Wochen aufgestockt. Kindergeld gibt es nicht. Dafür eine Unterstützung von 100 Euro für berufstätige Mütter ab der vier Monate, nach denen die Elternzeit endet, bis drei Jahre. Willkommen im kinderfreundlichen Land!