Kindergarten von 0 bis 3 Jahre

Ich wollte euch ja mal ein bisschen was über die Kinderbetreuung in Spanien, besser gesagt in Andalusien erzählen. Diese fängt ja an, wenn der Mutterschutz aufhört. Das sind hier 16 Wochen, das Baby ist dann also knapp  vier Monate alt. Viele berufstätige Mütter nehmen sich noch Urlaub hintenran und dann gibt es noch ein Recht auf Stillzeit, das sind glaube ich entweder eine Stundenverringerung der täglichen Arbeitszeit oder zusammengefasst noch einmal zwei Wochen. Meist fängt die Kinderbetreuung, also wenn es sich um berufstätige Eltern handelt,  an wenn die Babys zwischen fünf und sechs Monaten alt sind. Dabei gibt es verschiedene Einrichtungen, private und öffentliche Kindergärten, oft werden die Babys aber zu den Großeltern gebracht. Bei uns im Dorf bestimmen Kinderwagen schiebende ältere Menschen, meist die Omas, das tägliche Bild. Die Babys werden spazieren gefahren, schauen Oma beim Putzen und Kochen zu, werden aber auch gerne mal ins Laufgitter gesteckt oder vor den Fernseher gesetzt. Das habe ich alles schon gesehen. Viele Andalusier vertrauen aber lieber den Großeltern ihre Schätze an als einer Fremdbetreuung. Dabei sind die Kindergärten nicht schlecht. Ich habe mir den Luxus gegönnt, ein Jahr zu Hause zu bleiben. Bei Kind1 griff ich auch auf die Hilfe der spanischen Oma zurück, weil ich nach vier Monaten wieder zu arbeiten anfing. Und einfach, weil man das halt hier so machte. Dabei konnte ich jedoch viel von zu Hause arbeiten, denn ehrlich gesagt, war ich mit der Betreuung durch die Oma nicht ganz so zufrieden. Es läuft hier eben doch anders als in Deutschland was die Erziehung angeht…

Bei Kind2 war ich dann komplett ein Jahr zu Hause, bevor es in den Kindergarten ging. Beide Mädels gehen oder besser gesagt gingen, denn die Große ist ja schon in der Vorschule, auf verschiedene Einrichtungen und ich finde beide Kindergärten super! Es sind öffentliche Einrichtungen mit einem Zuschuss von der andalusischen Landesregierung, je nach Einkommen der Eltern. Bei Kind 1 mussten wir überhaupt nichts dazu zahlen und sogar ein Mittagessen war mit dabei. Bei Kind 2 zahlen wir jetzt 84 Euro im Monat. Beide Kinder waren stets von 9 bis 16 Uhr in der Einrichtung. Meist sind die Kindergärten zwischen 7 Uhr und 17 Uhr geöffnet, die Kinder dürfen jedoch nur 8 Stunden betreut werden. Werden Kinder öfters länger in der Einrichtung gelassen, kommen die Eltern öfters zur Abholung zu spät, wird nach drei Verwarnungen von seiten der Direktion das Jugendamt eingeschaltet. Das wird hier strikt gehandhabt.

So können also Eltern, die früh arbeiten, die Kinder auch früh in die Kita bringen. Trotzdem muss man sich arrangieren und organisieren, denn es sind wie gesagt nur 8 Betreuungsstunden zugelassen. Wer selbst jedoch 8 Stunden arbeitet und noch den Weg zur Arbeit hinzurechnet, bekommt ein Problem.  Ich habe beispielsweise Glück, dass ich 7 Uhr morgens mit der Arbeit anfangen kann und somit 15 Uhr fertig bin. Der Mann bringt die Mädels 9 Uhr in die Kita und Vorschule, ich hole sie 16 Uhr ab. Doch auch bei der Abholung wird also oft auf die Großeltern gesetzt, weil es die Arbeitszeiten nicht anders zulassen.

Unsere Kita

Unsere Kita

Die Einrichtungen an sich finde ich sehr gut. Meine beiden Mädels hatten und haben jeweils recht junge Erzieherinnen mit sehr viel Elan. Die Kita von der Großen beispielweise war recht offen für moderne oder alternative Bildungsmethoden, auch wenn das gar nicht so ausgeschrieben war. Es wurden auch mal Montessori Methoden behandelt, die Eltern wurden immer mit einbezogen, was die Aktivitäten der Kinder anging. Elternabende hatten wir aber nur einen, fand ich super. Es wurde viel gemalt, viel gelesen, Kostüme wurden  gebastelt, viele Lieder gesungen. Dabei wurde aber auch schon das spielerische Lernen gefördert. Die Jahreszeiten wurden behandelt, die ersten geometrischen Formen, Farben und die Zahlen 1 bis 3. Da in Spanien die Vorschule mit 3 Jahren beginnt, wurde im letzten Kita-Jahr auf die Selbstständigkeit der Kinder geachtet. Kind 1 lernte sich selbst die Schuhe anzuziehen und mit 2 Jahren wurde Töpfchentraining angefangen mit einer großartigen Unterstützung des Kindergartens. Die Erzieherin hatte das Kind eine Zeit lang beobachtet und meinte dann, es wäre soweit und genauso war es. Ganz ohne Druck und mit viel Geduld haben wir das gemeinsam durchgezogen. Ich war sehr sehr glücklich mit allem.

Bei Kind 2 ist es ähnlich. Es ist ein anderer Kindergarten, bei uns im Dorf. Alles noch ganz neu, tolle Spielsachen, sehr sympathische Erzieherinnen und eine lockere Direktorin. Das Essen wird zwar nicht vor Ort gekocht, sondern angeliefert, aber da auch die Erwachsenen das Gleiche essen, gehe ich davon aus, dass es gut ist, das meinen jedenfalls die Erzieher. Das Kind ist sehr sehr glücklich dort. Jetzt jedenfalls. Der Anfang war etwas schwierig. Die Eingewöhnungsphase beträgt hier meist um die zwei Wochen. Es kommt aber auch auf das Kind und die Kita an. Ich habe von Einrichtungen gehört, die nicht einmal eine richtige Eingewöhnung machen, sondern gleich Vollzeit loslegen. Die erste Woche geht das Kind zwei Stunden in die Kita. Die zweite Woche sind es vier Stunden mit Mittagessen und dann ist die Eingewöhnung abgeschlossen. Die Eltern betreten die Einrichtung nicht, die Übergabe findet an der Tür statt.

Es gibt Kinder, die gewöhnen sich ganz schnell an die Kita, deren Eingewöhnung wird dann abgekürzt, dann gibt es wieder Kinder, die gewöhnen sich nicht so schnell, da kann man auch eine längere Eingewöhnung beantragen. Die Erzieher achten auf jedes Kind und auf die Bedürfnisse, jedenfalls war es in unseren Einrichtungen stets so.

Kita, Kindergarten, Kinderkrippe oder wie auch immer man es nennt geht hier also von 0 bis 3 Jahre. Es ist schon etwas verschult in dem Sinne, dass darauf geachtet wird, dass der Schnitt von Kita zur Vorschule nicht allzu abrupt stattfindet, die Kids sollen darauf vorbereitet werden selbstständig in einer Gruppe zu agieren. In erster Linie wird natürlich gespielt, nebenbei werden aber auch schon einige Dinge beigebracht, Zahlen, Buchstaben, Wetter, Jahreszeiten und so weiter. Momentan gibt es zudem den Trend, Fremdsprachen schon in den ersten Lebensjahren einzuführen. Meist wird mit Englisch begonnen, dafür wird viel gesungen, aber auch, was ich ziemlich blöd finde, auf dem PC oder TV ein Trickfilm angeschaut. Man versicherte mir zwar, es sei alles babygerecht, nicht laut nicht schrill, ich finde es trotzdem blöd. Aber es gibt bei uns nun einmal nur diesen einen Kindergarten, der sich eben auch vorgenommen hat, die Kinder an das Englische heranzuführen. Wenn die Kinder mit drei Jahren den Kindergarten abgeschlossen haben, wissen sie wirklich schon recht viel. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Meine Tochter war mit drei Jahren wirklich sehr selbstständig und hatte keine Probleme sich in die Vorschule einzugliedern.

unsere Kita

unsere Kita

Ab der Vorschule werden nämlich auch die Gruppen größer und es gibt nur noch eine Erzieherin. In der Kita gibt es maximal 12 Kinder pro Gruppe, eine Erzieherin und eine Unterstützung, die von Gruppe zu Gruppe geht und mit hilft. In der Vorschule sind es dann bis zu 22 Kinder in einer Klasse und eine Lehrerin. Dazu aber das nächste Mal mehr.

Habt ihr noch Fragen zur Kita in Andalusien? Wollt ihr etwas dazu anmerken? Immer raus damit!