Ihr seid mir zu jung, ihr Mütter

Da sitz ich nun wieder wie jeden Tag auf dem Spielplatz, sehe dem Kind bei rumtoben zu und lausche den Gesprächen der anderen. Meist sind es stets die gleichen Mütter die hier mit mir Tag für Tag den Nachmittag verbringen. Es gibt nur diesen einen Spielplatz in unserem Dorf. Mit vielen Müttern verstehe ich mich gut, wir unterhalten uns ein wenig über die Vorschule, die Fortschritte der Kinder und dies und das. Und dann sind da noch die anderen Mütter. Die jungen Mütter. Nicht dass ich mich für alt einschätze, doch den Unterschied von 10 Jahren kann man nicht ignorieren. Sie sitzen in der anderen Ecke, starren auf ihre Handys in der Hoffnung, jemand möge sie aus der Kinderwelt herausziehen, schreien ihren Kindern etwas zu und ab und zu stehen sie auf, um am Zaun eine Zigarette zu rauchen.

Man sieht es ihnen an: Glücklich sind sie nicht. Jedenfalls sieht für mich eine glückliche Mutter anders aus. Sie kommen mir eher ein wenig überfordert, ungeduldig und unzufrieden vor. Hatten wohl andere Pläne als Jugendliche. Und dann frage ich mich wieder: Warum muss man als Mutter eigentlich jung und taufrisch sein? Immer wieder höre ich im Dorf ältere Menschen sagen, dass man zeitig mit dem Kinderkriegen anfangen muss. Je jünger desto besser. Man habe keine Zeit und ehe man sich versieht ist die Chance vertan. Da wird richtig Druck aufgebaut. Warum? Damit dann 22-Jährige gelangweilt ihre Kinder schaukeln und an die Ferne denken?

Auch bei mir in der Familie höre ich meine Schwägerinnen jammern, dass sie ja eigentlich noch so viel machen wollten, aber jetzt mit Kindern ginge das ja nicht mehr. Ok, in ihrem Falle handelt es sich um Reisen, die sie noch erleben wollten und die kann man entweder mit den Kindern machen oder später nachholen. Aber einiges kann man eben nicht nachholen.

Ich bin froh, dass ich erst mit 31 Jahren Mutter geworden bin. Ich war im Ausland, mit 18 Jahren in Israel, als Studentin in Italien. Ich bin viel gereist, habe mir die Hörner abgestoßen. Habe getrunken, habe geraucht, hatte geniale Parties…All das brauche ich jetzt nicht mehr. Ich habe alles gemacht, was ich machen wollte, bevor ich Kinder kriege. Wenn meine Samstagnacht jetzt um 22 Uhr mit einem Kräutertee endet, weil ich viel zu müde für irgendetwas bin, dann ist das nicht schlimm. Ich war schon feiern und zwar mehr als genug.

Ich wünschte auch die anderen jungen Frauen hätten sich vor dem Kinderkriegen etwas ausgetobt. Hätten sich auf in die Welt gemacht und wären nicht gleich beim ersten Man stehen geblieben. Das ist natürlich sehr allgemein ausgesprochen und sicher gibt es viele junge Mütter die sehr glücklich mit ihrer Entscheidung sind. Doch genauso viele unzufriedene junge Mütter sehe ich. Unzufrieden und etwas planlos. Sie lassen sich viel hereinreden. Hören weniger auf ihr Bauchgefühl. Vielleicht, weil es noch nicht ausgereift ist?

Ich habe den Eindruck, dass ältere Mütter, damit meine ich Mütter mit Mitte Dreißig und mehr, einfach entspannter sind. Sie haben ihre Mitte gefunden und können dieses positive Lebensgefühl nun auch an ihre Kinder weitergeben. Mir hat dazu mit Mitte Zwanzig noch viel gefehlt. Ich war ja noch gar nicht fertig mit mir selber.

Heute bin ich reifer und halbwegs zufrieden mit mir. Meine Töchter stehen im Mittelpunkt und das ist gut so. Ich interessiere mich für Erziehung, lese viel, bilde mich weiter, will meinen Töchtern das Beste mit auf den Weg geben. Mit Zwanzig hätte ich nicht so gedacht. Da wäre ich egoistischer an die Sache herangegangen. Ich finde es schade, dass gerade hier noch so viel Druck auf junge Frauen ausgeübt wird. Lasst sie doch selbst entscheiden, wann für die der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Natürlich gibt es viele, die jung Mutter werden wollen. Die das Leben ’nachholen‘ wollen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Auch eine gute Idee. Doch dann gibt es die, die gar nicht richtig darüber nachgedacht haben. Die einfach Mutter geworden sind, weil man das eben so macht. Die nun rauchend in ihren unbequemen Absatzschuhen am Spielplatz stehen und sich wegträumen. Schade eigentlich.