Erkenntnisse eines Urlaubs

Wir waren im Urlaub, die Mädels und ich. Also jedenfalls mal eine Woche raus aus dem Dorf. Wir haben eine Freundin besucht, die in Murcia wohnt. Ebenfalls eine Deutsche mit spanischem Partner und 2 Kindern. 4,5 Stunden Autofahrt trennen uns, also sehen wir uns nicht allzu oft. Umso größer war die Vorfreude. Meine Mädels haben die Fahrt auch richtig gut durchgehalten. Das Baby schlief viel, die Große vergnügte sich mit Hörspielen, Malen und Singen und so haben wir nur eine große Pause gebraucht und ich konnte gut durchfahren.

Die Freude war groß, als wir ankamen. Die Kinder spielten gleich zusammen, meine Freundin und ich legten sofort los mit dem Erzählen. Es gibt ja so viel, was man sich zu erzählen hat, wenn man sich in einer recht gleichen Situation befindet. Nur geht sie bei mir als fast schon Zwillingsmama durch, ihre Kinder liegen gerade einmal ein Jahr auseinander, meine drei Jahre.

Genuss und Augenringe

Wir wollten die Woche in einem Landhaus mit Pool verbringen, ab vom Schuss, mitten in der Pampa, schön ruhig und rustikal. Die Mädels und ich ein Zimmer, meine Freundin und ihre Kids ein Zimmer. Um es gleich vorneweg zunehmen: Urlaub war das nicht unbedingt, denn das Wort Urlaub schließt für mich Erholung und Entspannung ein. Vier Kinder und zwei Mütter ist nicht gerade entspannend, dafür aber wunderschön. Die Große durfte mit den anderen abends etwas länger aufbleiben, normalerweise bin ich recht streng was die Zubettgehzeiten angeht, da sie keinen Mittagsschlaf machen will und somit ab 19 Uhr sehr anstrengend wird. Doch diese Woche machte sie Mittagsschlaf und so ging das gut. Doch das Baby war natürlich jeden Morgen 6.30 Uhr wach, meine Augenringe wuchsen von Tag zu Tag. Aber das war es es trotzdem wert, viel zu selten komme ich einmal in den Genuß, mit einer Freundin zu plauschen und dabei nicht nur über Windeln und Erziehung zu reden.

Doch leider unterscheiden sich meine Kinder von denen meiner Freundin recht stark. Ich wusste, dass diese Reise eher für mich sein wird, ich wollte meine Freundin sehen, abends bei Wein und Snacks mit ihr plauschen und austauschen. Dass die Kinder nicht 100 Prozent harmonieren war mir klar. Dass sie sich jedoch so stark unterscheiden nicht. Über die Woche hinweg wurde meine Große immer stiller, hing immer mehr an mir, mir schien, sie wollte vor den anderen manchmal flüchten. Sie kam mir sehr eingeschüchtert vor. Gegen Ende der Woche wurde sie sehr nörgelig, weinerlich und wollte nur noch nach Hause. Sie hatte sehr sehr großes Heimweh, wollte keine Sekunde mehr bleiben und auch meine Beruhigungsversuche machten es nicht besser. Sie wollte nicht mehr mit den anderen spielen und nur noch bei mir sein. Sie hing wie eine Klette an mir. In einem stillen Moment sagte sie mir, dass ihr die Kinder zu laut seien, dass sie nach Hause möchte.

Hinzu kommt, dass meine Tochter was ihren Körper angeht sehr eigen ist. Wenn sie sich weh tut, darf man nicht anfassen, nicht pusten, in ganz selten Fällen darf ich verarzten oder gar ein Pflaster verwenden. Als sie nach einem Sturz ein etwas aufgeschlagenes Knie hatte, versuchte meine Freundin es mit einem wunderhübschen Pflaster besser zu machen. Doch das ging leider voll nach hinten los, es gab Gebrüll und Geschrei und wir durften das Knie nicht einmal anschauen. Da sprach meine Freundin an, was ich schon seit längerem vermute. Ob ich mir vorstellen könne, dass meine Tochter eventuell hochsensibel sein könnte? Genau das habe ich mir schon mehrmals überlegt. Auf viele Dinge reagiert sich wirklich extrem sensibel. Sie benötigt ihre Routine, um sich wohlzufühlen. Zudem ist ihr Lärm sehr lästig, wenn ein Moped auf der Straße vorbeifährt, hält sie sich die Ohren zu. Sie ist sehr feinfühlig, mag überhaupt keine Abschiede und kann aber auch hysterisch werden, wenn etwas nicht so passt, wie sie es braucht. Ihre beiden Freundinnen in der Kita hat sie sich selbst rausgesucht und es sind ebenfalls sehr sehr ruhige Mädchen.

Hochsensibel

Ich las also etwas mehr über das Thema, machte einen Test und es scheint wirklich, als wäre das Kind hochsensibel. Vielleicht nicht so stark ausgeprägt, aber immerhin soweit, dass man sie als hochsensibel bezeichnen kann. Und dann machte ich einen Test für Erwachsene und siehe da: Auch ich scheine einen Schlag von Hochsensibilität zu haben. Und auf einmal machte alles einen Sinn. Nicht das wir jetzt unser Leben ändern müssen, aber jetzt weiß ich wenigstens, warum manche Situationen so ausarten und warum das Kind und ich auf manche Dinge stark reagieren. Ich kann besser auf sie eingehen und versuchen, sie zu unterstützen, wenn ihr alles zu viel wird. Im Internet findet man ja wahnsinnig viel über dieses Thema, auch wenn beispielsweise spanische Seiten noch nicht so zahlreich sind wie deutsche. Bei der lieben Frühlingskindermama sollte man auf jeden Fall einmal vorbeischauen, wenn man mehr zum Thema Hochsensibilität wissen will.

Leider wurden auch meine Freundin und ich gegen Ende unserer Urlaubswoche etwas angespannter. Sie versuchte stets ihre Kinder zurückzupfeifen, was mir sehr sehr leid tat, denn sie sind nun einmal so schön lebhaft und das soll auch so bleiben. Ich wurde angespannter, weil ich nun das Baby und das Kind an mir kleben hatte. Trotzdem war es eine tolle Woche mit vielen Erfahrungen und einer Erkenntnis mehr. Ich kann meine Tochter ja nicht von der Welt abschotten, nur weil sie sensibler auf gewisse Dinge reagiert und ich denke auch nicht, dass sie das möchte. Und so werden wir irgendwann wieder meine Freundin und ihre Kinder besuchen. Doch dann mit dem Wissen, dass meine Tochter einfach ruhiger ist als die anderen und sie öfter ihre Ruhe braucht und auch mal allein spielen will.