Einmal Jogurt mit Hühnchen bitte! Von andalusisch-kindlichen Essgewohnheiten

In Spanien ist die Esskultur eine andere, das ist ja klar. Jedes Land hat seine eigenen Essgewohnheiten, seine speziellen Gerichte und Nahrungsmittel. Doch gestern war es mal wieder soweit, gestern bin ich mit der Schwiegermutter aneinandergeraten, weil beim Thema Essen unsere Meinungen sehr weit auseinander gehen. Und zwar was das Essen der Kinder angeht.

Es gibt Tage, da essen die Mädels sehr gut und dann gibt es Tage, da essen sie kaum etwas. Ich denke, das hängt mit den verschiedenen Wachstumsphasen zusammen und finde das auch vollkommen in Ordnung. Sie fallen beide nicht vom Fleisch und bei uns Erwachsenen ist es doch auch so, dass wir mal mehr Appetit haben und mal weniger. Meine Schwiegermutter kann damit schlecht leben. Die Teller müssen leer sein, immer! Nun ist es so, dass ich auf die Kochkünste der Schwiegermama angewiesen bin. Ich geh wieder arbeiten und es sind noch Ferien. Ja, immer noch. Also sind die Mädels vormittags bei der Oma. Ich komme dann mittags dazu, da ich erst einmal nur halbstags arbeite, bis sich die Mädels daran gewöhnt haben. Ich habe keine Zeit zum Kochen, wenn ich komme steht schon alles auf dem Tisch. Das ist toll! Und ich freue mich sehr über diese Unterstützung. Doch dann kam es wieder. „Du musst alles aufessen!“ „Es gibt sonst keinen Nachtisch!“ Wenn das Kind diese Worte hört verweigert sie sich total. Dann möchte sie erst recht nichts mehr essen und ich verstehe es. Eine Art Trotzhandlung und vollkommen zu Recht. „Lass sie doch einfach“, sage ich zur Schwiegermutter. Meine Tochter ist 4 Jahre alt. Ich vertraue ihr vollkommen und denke sie ist alt genug, um zu wissen, ob sie noch Hunger hat oder nicht. Wenn sie nicht mehr möchte, dann  ist auch gut, jedenfalls wenn sie etwas gegessen hat. Ein anderes Thema ist, wenn sie nicht einmal probiert und den Teller wegschiebt. Aber davon rede ich hier nicht. Ich spreche davon, dass sie ohne nörgeln isst und dann irgendwann sagt sie hat genug. Bei uns zu Hause ist das ok. Nicht so bei den Großeltern. Da wird mit Geschenken gelockt, werden Drohungen ausgesprochen etc. Und ich versuche dann ruhig zu bleiben, nicht gleich in die Luft zu gehen. Es ist eine andere Kultur, sie haben es ¡mmer so gemacht und sind der Meinung, nur so kann man Kinder erziehen. Ich erhalte dann zwar wütende Blicke, wenn ich zum Kind sage, dass sie aufstehen kann, wenn sie mag, aber das ist mir egal.

Große Schüsseln, kleine Mägen

Doch jetzt geht der Ärger auch mit dem Baby los. Isst das Baby nicht die Schüssel leer ist das Geschrei groß. Da wird Spielzeug in die Hand gedrückt, der Fernseher soll für Ablenkung sorgen und eigentlich wird alles gemacht, was man eben laut deutschen Ratgebern nicht machen soll. Gestern wollte das Baby auch nicht aufessen. Also hörte ich auf. Kein Problem, sie hat die halbe Portion verdrückt. Meiner Meinung nach sind die Portionen meiner Schwiegermutter eh viel zu groß für den kleinen Magen. Ich versuche stets zu erklären, dass sie sich doch einfach nur mal vorstellen soll, wie groß der kleine Magen sei und dass eine übervolle Schüssel darin doch gar keinen Platz fände. Ich stoße da auf keinerlei Verständnis. Das Baby müsse doch essen um groß und stark zu werden. Gestern riet mir die Schwiegermutter nun, doch einfach den Löffel erst in den Jogurt und dann in den Fleisch-Gemüsebrei zu tauchen. So gäbe sie dem Baby auch immer, wenn es den Brei nicht mehr wolle. Echt jetzt? Das ist ja wohl vollkommen ekelig! Da wurde ich nun wirklich ägerlich und erklärte der lieben Frau, dass kein Mensch so essen möchte. Ob ich ihr im Alter, wenn sie nicht mehr alleine essen könne, auch so die Nahrung in den Mund schieben solle. Also wirklich! Daraufhin verzog sie nur den Mund, nein so wolle sie nicht essen. „Siehste, meine Kinder auch nicht“, erklärte ich ihr.

Vorsicht, nur nicht essbar

Hunger?

Schicht-Essen

Das Thema Essen und Kinder ist ja überall ein großes und umstrittenes Thema. In jedem Land wird das anders behandelt. In Spanien finde ich es nicht unbedingt sehr entspannt. Das geht damit los, dass die Kinder meist vor den Erwachsenen essen, also nicht gemeinsam. Jedenfalls kenne ich sehr viele Familien hier, in denen das so gehandhabt wird. Dieses „Essen in Schichten“ hat natürlich seine Vorteile, die Erwachsenen essen in Ruhe, denn die Kids dürfen oft fernsehen, wenn sie mit dem Essen fertig sind. Doch was ist aus dem schönen „Wir essen gemeinsam und erzählen uns von unserem Tag“ geworden? Das bleibt dabei auf der Strecke. Auch sehen die Kinder nicht, was die Erwachsenen so essen. Wie sollen sie denn dann einen gesunden Umgang mit Essen bekommen? Das frage ich mich jedenfalls. Oft wird den Kindern auch spezielles Kinderessen gemacht, jedenfalls auch in meiner spanischen Schwiegerfamilie. Chicken Nuggets, Würstchen und Co wird angeboten. Zu Hause essen die Mädels eigentlich genau das, was wir auch essen. Außer alles was grün und gesund  ist natürlich, da bleibt das Kind hartnäckig. Gemüse wird weiterhin verweigert, dafür mag sie Obst sehr gern, also alles ok für mich. Das gibt sich schon irgendwann, denke ich mir. Das Baby bekommt auch das, was es essen möchte. Mal verweigert sie Brot, dann mache ich noch schnell einen Grießbrei oder so, mal mag sie nur Rührei oder Avocado. Wie gesagt, vom Fleisch fallen beide nicht, sie sind weder dick noch dünn, sondern genau richtig und ich möchte nicht den ganzen Tag damit verbringen mich zu ärgern, dass sie nicht aufessen.

Ich verstehe einfach nicht, warum die spanische Oma nicht auch einfach den beiden mal vertrauen kann und akzeptieren kann, dass sie satt sind, wenn sie nicht mehr möchten. Wie sollen Kinder denn lernen, was Hunger und was Sättigung ist, wenn man ihnen immer wieder sagt, was und wie sie zu essen haben?

Wie macht ihr das bei euch zu Hause? Gibt es bei euch auch solche Probleme und wie reagiert ihr?