Eine kleine kulinarische Reise durch Andalusien

Da ich ja leider momentan durch das Schwangerschaftsdiabtes nicht so schlemmen kann, wie ich gerne möchte, erzähle ich euch heute einfach nur mal etwas über die Küche Andalusiens. Dieser Beitrag ist Teil des Bloggerprojektes Ich packe meinen Koffer. Auf unserer Facebookseite findet ihr alle Teilnehmer und könnt weitere Beiträge nachschlagen.

Fisch, Fisch, Fisch…

Wer schon einmal in Andalusien und besonders an der Küste, wo wir wohnen, Urlaub gemacht hat, wird es wissen: Fisch regiert hier den Speiseplan. Klingt erst einmal gsund, doch vorsicht, die Andalusier lieben es fettig. Fisch kommt hier überwiegend in frittierter Form auf den Teller. Das ist ganz lecker, doch nichts für jeden Tag. Meine Schwiegermutter zum Beispiel macht die besten frittierten Krakenbein, und ich liebe sie, doch jede Woche finde ich es etwas zu gehaltvoll. Doch die Menschen hier schwören auf ihre ‚fritura‘.

frischer Fisch

frischer Fisch, dies hier sind kleine Rotbarben, auch die frittiert meine Schwiegermutter ganz wunderbar.

Was jedoch sehr gesund hier ist, wie ich jedenfalls finde, ist das Frühstück. Brot, gutes Olivenöl und Tomatenmus. Das ist meist alles und ich kann nie genug davon bekommen.

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Mittelmeerdiät?

Doch ansonsten ist die andalusische Küche schon recht üppig. Da sagt man ja immer, die Deutschen essen so deftig und die Mittelmeerdiät ist so leicht und gesund. Das mag für Griechenland und Italien zutreffen, nicht aber für Spanien. Mayonaisensalate wie der typische ‚Russische Salat‘ (und warum der so heißt, weiß kein Mensch), Kartoffelspalten in Mayonaise, Gambas in Ketchup-Mayonaise…so Sachen kriegt man hier in jeder Bar als Tapa vorgesetzt. Ist auch ganz gut, aber auch reichhaltig.

Im Winter kommen recht deftige Eintöpfe auf den Tisch, jedenfalls in meiner Schwiegerfamilie. Dicke Bohnen mit Chorizo und Speck, Kohlsuppe mit Chorizo, Linsen mit Chorizo, ja ihr seht schon neben iberischem Schinken ist die Paprikawurst Chorizo hier voll der Renner. Und Blutwurst, Morcilla genannt.

10858581_1514323228848245_4534351371841100106_n Eintopf mit Bohnen und Tintenfisch

Hier auf dem Dorf isst man auch traditioneller und üpiger als vielleicht in den Städten. In Málaga zum Beispiel haben in den letzten Jahren ganz tolle Restaurants aufgmacht, in denen man edle Schäumchen und übersichtliche Teller bekommt.

Aber sowas ist so gar nichts für die Alteingesessenen. Ich erinnere mich noch an die Zeit, in der wir in Budapest lebten und meine Schwiegereltern zu Besuch kamen. Maria, meine Schwiegermutter, brachte sogar einen Markknochen mit, zum Suppe kochen und sogar ihr eigenes Brot hatten sie auch dabei. Falls es in Budapest nichts Richtiges geben würde. (Den Artikel dazu könnt ihr auch hier nachlesen.)

Sommerlich leicht

Leicht dagegen sind die Gerichte wirklich im Sommer. Klar, bei 40 Grad hat auch niemand Lust, unbedingt mehr als nötig zu essen. Gazpacho gibt es fast täglich. Diese kalte Gemüsesuppe gibt es seit einigen Jahren auch in Abwandlungen. Als Kirsch- oder Erdbeergazpacho, also Gemüse und Obst, kann man sie sogar im Supermarkt kaufen. Find ich klasse, sehr erfrischend und gesund, also wenn man sie selber macht.

Gazpacho @freeimages.com

Gazpacho
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Auch wird hier stark auf saisonale Produkte gesetzt. Hier auf dem Land gibt es dann den ganzen August über Tomaten noch und nöcher. Mein Schwiegervater hat selber Land und baut Obst und Gemüse an. Wenn die Sachen reif sind, müssen sie gegessen werden. Also gibt es dann jeden Abend Tomaten, meist nur mit ein bisschen Zwiebel, Öl und Oregano dekoriert. Auch Auberginen gibt es fast täglich, klar, frittiert. Mit Zuckerrohrsirup dazu. Das ist ein sehr typisches Gericht und ich liebe es ebenfalls.

Alles in allem ist die andalusische Küche sehr traditionell. Ausgefallene Dinge wird man selten finden. „Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht“, dieses Sprichtwort trifft auf viele Andalusier zu. Spanische Restaurants sind hier definitiv in der Mehrzahl, ab und an gibt es mal einen Chinesen, Japaner oder Inder. Aber mit der Lokalvielfalt, die man in Deutschland findet, kann man hier nicht mithalten.

Wer hier also einmal Urlaub machen möchte, sollte sich einstellen auf spanische Traditionsküche (aber das ist es ja eigentlich, was man im Urlaub will, die typischen Sachen probieren) zu späten Zeiten. Mittag wird hier meist erst ab 14 Uhr gegessen und abends speisen viele zwischen 21 und 22.30 Uhr. Das ist mit Kind nicht immer leicht. Wir haben, auch wenn der Mann Andalusier ist, einen anderen Zeitplan, einfach weil wir mit dem Kind gemeinsam essen möchten. Deswegen gehen wir ehrlich gesagt sehr selten auswärts essen.

Aber im Urlaub ist das ja alles was anderes…