Eine der härtesten Proben

 

Lang ersehnt warst du, du dicker Bauch. Das Tochterkind war zwei Jahre alt geworden, da entschieden der Mann und ich, dass es ein guter Moment sei, das Geschwisterkind in Angriff zu nehmen. Es klappte nicht gleich. Ok, wir waren verwöhnt, denn beim ersten Kind gab es keine Probleme, es klappte gleich.

Doch dann war es soweit. Ich durfte dem Mann und später der ganzen Familie verkünden, dass ein weiteres Mitglied auf dem Weg sei.

Die Freude war riesig. Leider verließ uns der Mann schon bald für einen Job in der Dominikanischen Republik. Kein Problem, dachte ich. Wir wuppen das schon. Nur einen Tag später kam die Angst. Ich verlor sehr viel Blut, eine Fehlgeburt drohte, ich musste einige Tage im Krankenhaus bleiben. Das Tochterkind kam zu den Großeltern für drei Wochen, während ich mich erholte und schonen musste.

Und dann das Wunder. Das Würmchen zeigte seine Kämpfernatur, überstand alles hervorrangend. Der Bauch fing an zu wachsen und zu wachsen. Nach zwei Monaten kam auch der Mann wieder, zwar um einen neuen Job auf Mallorca anzunehmen, aber das war schon besser als Dominikanische Republik.

Das Tochterkind und ich, wir bauten unsere Routine neu auf. Stück für Stück erklärte ich ihr, dass ein Baby kommen würde. Je größer der Bauch wurde, umso mehr verstand sie auch. Sie fing an, sich auch auf das Baby zu freuen.

Der Mann kam wieder, um einen neuen Job in Cartagena anzunehmen. Nur noch vier Autostunden von uns entfernt. Ich glaube in den letzten Jahren gab es nicht so viel Bewegung bei uns wie in den letzten Monaten. Wenn man mal von unserem Jahr in Budapest absieht.

Und nun ist diese aufregende aber auch sehr anstrengende Zeit bald vorbei. Es fehlen noch sieben Tage bis zum ausgerechneten Geburtstermin. Der Bauch ist riesig, auch weil ich durch das Schwangerschaftsdiabetes an Gewicht verloren habe. Fast neun Monate strikte Diät liegen hinter mir. Sieben Monate Strohwitwendasein. Und zwei Monate tierische Sommerhitze mit Megaplautze und einem Kleinkind, das Ferien hat.

Es war nicht immer leicht. Tränen flossen viele, manchmal kam ich mir so machtlos vor, allein gelassen und überfordert. Dann wieder so voller Glück, eine wunderbare und mit ihren erst drei Jahren doch so viel verstehende Tochter zu haben, zu der bald eine zweite kommen soll.

Eine neue Etappe bricht an, auch sie wird anstrengend werden und doch so wundervoll. Und auch an die Dickbauchzeit werde ich mit Sehnsucht zurückblicken. An die Exklusivzeit mit dem Tochterkind, auf die sie nun erst einmal verzichten muss. Voller Aufregung blicke ich in die Zukunft und mit Sehnsucht auf die letzten neun Monate zurück. Ich werde es vermissen, wenn du kleines Wesen gegen meinen Bauch trats, aber ich bin auch froh, wenn ich dir endlich in die Augen blicken darf.

Und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich. Ich habe es geschafft! Die Hürden überwunden und gekämpft. Und mein ganzes Leben darf ich sagen: Es war eine der härtesten aber auch der besten Proben, die ich gemeistert habe.