Ein typischer Regensonntag in Andalusien

Es ist soweit, es regnet in Andalusien. Für uns ist das immer ein Ereignis, denn ich glaube das letzte Mal hat es im Mai geregnet. Jetzt ist der Herbst also da. Und damit die Frage, was machen wir heute? Denn wenn es hier einmal regnet, dann prasselt es wirklich heftig vom Himmel, dann sind die Straßen überschwemmt und die Gullis überfordert. Klar gehen wir in Regenpausen raus, nicht umsonst hat das Kind coole Froschgummistiefel (Notiz an mich selbst: Gummistiefel für mich besorgen). Doch gestern war so ein Tag, da ging gar nix außer drinnen hocken, wenn auch nicht nur zu Hause. Und so verbrachten wir einen ganz normalen spanischen Sonntag. Und das geht so:

Wir standen früh auf, das Kind verlangte nach Miau, wollte also Tom&Jerry sehen. Na gut, es regnet, was solls, also Miau an. Wir frühstückten im Schlafanzug auf dem Sofa. Niemand zeigte auch nur den geringsten Elan, sich mal zu duschen oder gar in andere Kleidung zu werfen. Da wir nachmittags Freunde besuchen wollten, habe ich noch auf die Schnelle lecker Nutella-Kokosmilch Küchlein gebacken. Ok, das ist nicht ganz so typisch andalusisch, denn normalerweise kauft man kleine Süßigkeiten beim Bäcker. Jedenfalls in meinem Familien- und Bekanntenkreis. Ich kenne niemanden in meinem Alter, der bäckt. Nun denn.

selbst gebacken

selbst gebacken

Um dem Kind etwas mehr als Fernseher zu bieten, habe ich kleine Basteleien angefangen. Laub aus lustigem Papier ausgeschnitten, das die Tochter dann an die Balkontür hängen durfte und Ähnliches. Sogar ein Fensterbild habe ich geschafft, und ich bin wahrlich ein Bastelhonk. Was Regen doch so alles bewirkt.

in Bastellaune

in Bastellaune

Danach habe ich dann doch mal alle unter die Dusche geschickt, Mittag sollte es bei den Schwiegereltern geben. Traditioneller geht es sonntags wirklich nicht. Es gab Paella, welch Überraschung. Bei meiner Schwiegermutter gibt es eigentlich so gut wie jeden Sonntag Paella. Deswegen versuche ich, nicht jeden Sonntag dort anzutanzen, ich krieg sonst einen Paella-Koller.

Als das Kind friedlich die geliebte Siesta hielt, schoben der Mann und ich auch schnell richtig Wohnung und taten das Gleiche. Es geht doch nichts über eine schöne Mittagsruhe! (Wenn die lärmenden Nachbarn nicht wären, die meist erst gegen 15.30 Uhr mit dem Familienessen anfangen). Grummelig aufgrund mangelnder Ruhe holten wir das Kind wieder ab, das eine ganz wundervolle Mittagsruhe bei Oma hinter sich hatte, und machten uns auf den Weg, unsere Freunde zu besuchen. Diese hatten nämlich Nachwuchs erhalten und da muss man schon mal vorbeischauen. Brav wie wir sind hatten wir auch bereits eine Woche vorher unseren Besuch angekündigt um sicherzugehen, dass dieser gewünscht und passend sei. Mit Geschenk und Kuchen kamen wir an. Beide wurden irgendwie achtlos auf einen Tisch gestellt. Wie die Küchlein also schmeckten, kann ich leider nicht erzählen. Für uns gab es Kekse, für die Tochter Gummibärchen.

Andere Personen waren jedoch nicht so vorankündigend wie wir und so präsentierten sich weitere 5 (FÜNF!!) Erwachsene an der Tür, um den neuen Erdenmenschen zu besichtigen. Nach 1,5 Stunden in einer überfüllten Wohnung, mit einer Gummibär-verstopften Tochter und einer Baileysangeschickerten Mutter (Ich) verabschiedeten wir uns. Andere Freunde hatten angerufen, sie seien in einem Cafe in der Nähe, ob wir nicht Lust hätten? Es war 19 Uhr, es regnete noch immer. Na gut. Das Cafe entpuppte sich als ein lärmgetränktes, ebenfalls überfülltes Lokal. Junge Menschen standen an der Bar und nahmen Longdrinks zu sich. Die Musik schallte aus den Lautsprechern, dass man sein eigenes Wort nicht verstand. Unsere Freunde saßen in einer Ecke und hatten sogar noch Spaß. Ihr zweijähriger Sohn wurde mit Süßkram und Flips bei Laune gehalten. Nun gut. Wir hatten uns lange nicht gesehen. Bestellten wir also eine Cola und saßen eine Weile so rum. Mein Kind inzwischen auch wieder am Süßkram essen. (Kann man ihr ja leider schlecht verbieten, wenn der kleine Junge neben ihr es ihr ständig anbietet.) Gegen 20.30Uhr kam man auf die glorreiche Idee, doch noch nebenan schnell eine Kleinigkeit essen zu gehen. Also ab zum Türken um die Ecke. Dort konnte man wenigstens in normaler Lautstärke sprechen. Die Kinder flitzten unter Zuckerschock um die Tische. Da aber sonst kaum Gäste da waren, war das vollkommen ok. Nach einem opulentem Mahl, bestehend aus einem Berg Dönerfleisch, Pommes und Reis machten wir uns dann fix und fertig auf den Weg nach Hause.

Fleischberg

Fleischberg

Brauche ich ja nicht zu erwähnen, dass mein Kind natürlich nix mehr zu Abend gegessen hat. Doch wenigstens das Kind hatte Spaß. Ich glaube, wenn ich noch so einen Regen-Sonntag machen muss, mit Zuckerschock, furchtbar schlechter viel zu lauter Musik und schreienden Menschen, schließe ich mich besser im Badezimmer ein und erzähle dem Mann was von Magen-Darm 😉