Ein Mutter-Tochter-Tag, der nötig war

Am Sonntag war Mädelstag. Seit einer Woche habe ich auf diesen Tag gewartet. Nur mein großes Mädchen und ich. Wir beide und der Freizeitpark. Noch wusste sie gar nicht, was das ist, ich habe ihr nur erzählt, dass wir viel Karussell fahren und ganz viel Spaß haben werden. Frühmorgens brachten wir das Baby zur Oma, denn der Mann befand sich auf Geschäftsreise und dann ging es los. Im Auto wurde natürlich erst einmal der Frozen Soundtrack mitgegrölt, auf Spanisch. So startet man ja wohl auf die richtige Art und Weise in einen Mutter-Tochter-Tag

Erst mal Mittag machen

Erst mal Mittag machen

Wir kamen noch vor Öffnung des Parkes an, es wartete jedoch bereits eine lange Schlange am Eingang. Macht nichts dachte sich das Kind und verschlang erst einmal das mitgebrachte Mittagessen. Einmal drin im Vergnügungspark kauften wir uns natürlich die All-inclusive-Variante, damit wir unbegrenzten Zugang zu den Attraktionen hatten. Ich kenne mein Kind, vor vielen Sachen hat sie Angst, viele Sachen sind zu hoch, zu schnell, zu laut. Doch wenn ihr etwas gefällt, dann möchte sie mindestens 15 Mal damit fahren. Insgesamt sagten ihr von den 44 Attraktionen also 5 zu und diese fuhren wir dann von 12 bis 17 Uhr so oft sie wollte. Bei einem Einzelpreis von 3 Euro machte sich das All-inclusive-Armband für 12 Euro also mehr als bezahlt. In den Pausen gab es Eis, Lutscher, Spaziergänge durch den Park viele Küsse und Umarmungen. Ich sah deutlich, wie gut es meinem Mädchen tat, mal wieder mit mir alleine zu sein. Seit fast 14 Monaten muss sie zurückstecken, hört sich tagtäglich meine Ermahnungen an, dass sie doch die Große sei, die Rücksicht auf die kleine Schwester nehmen müsse. Dabei ist sie doch auch noch so klein. Oft gebe ich ihr wahrscheinlich zu viel Verantwortung, bitte sie auf die Schwester aufzupassen, alle ihre Spielsachen zu teilen und immer wieder muss sie zurückstecken, was die Aufmerksamkeit angeht, das Baby kommt meist zuerst, auch wenn ich versuche aufzupassen, dass dem nicht so ist. Mal einen Tag nur das machen, was sie will, das war nötig. Ich habe gemerkt, wie gut uns das tat, uns beiden. Was für intelligentes Mädchen sie ist, witzig und offen und doch auch scheu, wenn ihr Dinge nicht gleich zusagen.

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So sah ich, dass nach einiger Zeit ihr Kopf brummte von all den Eindrücken und Lautstärken, die in dem Park herrschten. Wir suchten uns eine kleine Ecke, fanden zufällig einen kleinen Goldfischteich und dort war sie glücklich. Blätter vom Boden aufheben und Fische angucken. Mehr wollte sie in diesem Moment nicht. Während die anderen Eltern ihre Kinder vorbeischoben, weil man müsse ja noch soviel ausprobieren und machen, hockten wir beide am Teich und schauten den Fischen zu. Ein wunderschöner Moment, den wir uns viel zu selten gönnen. Das muss sich ändern. Meine kleine Große sollte öfter diese Momente haben, ohne dass ich ihr sage, komm wir müssen weiter, das Baby wird ungeduldig.

Diese glücklichen, funkelnden Augen am Abend, als sie stolz ihr Armband an meines hielt und meinte, wir dürfen das jetzt nie mehr abnehmen, denn es erinnere uns an den tollen gemeinsamen Tag, die sollte eigentlich jeden Tag so voller Glück funkeln. Tun sie ja eigentlich auch, ich gebe mein Bestes, dass ich die glücklichsten Kinder ganz Südspaniens großziehe, doch dieser Tag der Zweisamkeit hat mir gezeigt, wie sehr mein Kind auch die intimen Momente mit mir genießt und braucht und dass sie immer noch zu selten sind in all dem Alltag und der Routine.

 

Nach unserem Moment der Ruhe ging es natürlich noch einmal auf alle Karussells und Spielplätze, bevor wir müde die Heimreise antraten. Nach nur 2 Minuten Autofahrt schlief mein Mädchen schon selig und lächelnd. Wir trafen dann noch die Großeltern, um das Baby abzuholen, und die Großmutter, die momentan bei uns übernachtet, aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht auch noch erzähle. Abends brachte ich ein rund um glückliches Kind ins Bett, das sich noch eine Geschichte wünschte und dann sofort einschlief.

Ach, es sind diese Tage, an denen mir wieder bewusst wird, wie gut es uns geht, wie toll es ist, diese beiden kleinen Minimenschen in meinem Leben zu haben und von denen ich mir noch ganz viele wünsche.

Unser Armband haben wir gestern übrigens gemeinsam abgeschnitten und in ein kleines Kästchen gelegt, das ist unser kleiner Schatz, der uns noch lange an den wunderbaren gemeinsamen Tag erinnern wird.