Die Vorschule, 3 bis 6 Jahre

Das Schulsystem in Spanien unterscheidet sich vom deutschen System schon dahingehend, dass mit drei Jahren hierzulande die Vorschule beginnt. Es ist nicht verpflichtend, erst mit sechs Jahren beginnt die allgemeine Schulpflicht. Trotzdem kenne ich kein Kind bei uns im Dorf, das nicht mit drei Jahren in die Vorschule geht. Vorschule klingt jetzt vielleicht auch etwas heftig, eigentlich ist es schon eher eine Art Kindergarten, etwas verschult eben.

Mit drei Jahren kommen viele Kinder bereits aus der Kita in die Vorschule. Sie sind in der Kita schon darauf vorbereitet worden, recht selbstständig zu sein. Mit drei Jahren müssen sie windelfrei sein, denn geht mal etwas in die Hose werden die Eltern angerufen, um das Kind umzuziehen. Die Lehrerin kann das nicht übernehmen, die Gruppe besteht oft aus mehr als 20 Kindern. Das kann also eine Herausforderung sein, wenn das Kind gerade erst windelfrei geworden ist, denn dann passieren halt einfach noch Unfälle. Wenn beide Eltern arbeiten, sollte eine Notfallnummer hinterlegt werden von einer Person, die sich in der Nähe befindet. Uns ist das zwar bisher nur einmal passiert, als das Kind eine beginnende Magen-Darm-Erkrankung in der Vorschule hatte, aber das kann ja in dem Alter schon noch öfter vorkommen und dann muss schnell jemand zur Stelle sein, das Kind kann ja nicht stundenlang mit nasser Hose herumlaufen. Auch andere Dinge wie Schuhe anziehen, selbstständig die Brotdose oder das Saftpäckchen öffnen oder die Jacke an- und ausziehen sollten die Kinder können, da die Lehrerin dafür keine Zeit hat. Das klingt jetzt nach selbstverständlichen Sachen, so selbstverständlich sind sie aber aber nicht, wenn die Kinder eben nicht vorher in der Kita waren, sondern drei Jahre zu Hause oder bei den Großeltern betreut wurden.  Diesen Kindern fällt die Umstellung dann sehr sehr schwer und sie brauchen einige Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Eine richtige Eingewöhnung gibt es nämlich bei der Vorschule nicht, jedenfalls nicht so lange wie bei der Kita und jedenfalls war das nicht so bei unserer Schule. Das ist aber auch von Schule zu Schule und von Region zu Region unterschiedlich. Bei uns war es so, dass das Kind die erste Woche vier Stunden in der Vorschule betreut wurde und danach normal von 9 bis 16 Uhr da war. Sie isst dort zu mittag, spielt dann noch eine Runde mit den Kindern, die ebenfalls dort essen und 16 Uhr, wenn ich nach Hause komme, kann ich sie abholen.

@Andrei Firtich

@Andrei Firtich

Was wird in der Vorschule gemacht?

Anfangs war ich recht ängstlich und skeptisch, was den Lehrplan anging. Ich hörte Geschichten von vielen Hausaufgaben, von Paukereien nachmittags, um den Kindern das Alphabet beizubringen, von überfüllten Klassenzimmern und ungeduldigen Lehrern. Ich war der Meinung, mein kleines Mädchen sei viel zu klein für diese Dinge. Sie war doch gerade erst drei Jahre alt. Dann bekam sie jedoch eine ganz wunderbare Lehrerin. Noch recht jung, selber Mutter von einem Zweijährigen. Mein Mädchen liebte sie von Anfang an. Sie lernte zeichnen, ausmalen ohne über die Ränder zu malen, eine Schere zu benutzen, mit dem Klebstift zu kleben, feinmotorische Basteleien und all solche Sachen. Es wurde viel gelesen, also vorgelesen, es wurde viel erzählt, sie lernte sich besser zu konzentrieren, zuzuhören und dann zu antworten. Es wurde über Gefühle gesprochen, über Wutausbrüche und Traurigkeit, über Freundschaft und Liebe, über die Dinge des Lebens. Jeden Tag lernte mein Mädchen eine Menge Dinge, die wichtig für sie waren. Sie freundete sich mit einem anderen amerikanischen Mädchen an, das bis jetzt ihre beste Freundin ist. Sie lernte ihren Namen schreiben, jedenfalls mehr oder weniger. Und, das Wichtigste, Sie war über alles sehr sehr glücklich. Dass sie ein lachendes und ein trauriges Gesicht malen konnte, dass sie wusste, dass ihr Name mit E anfängt, dass sie einfach Dinge ausschneiden konnte, dass sie bis 6 zählen konnte…

Die Vorschule gefiel ihr von anfang an. Und auch dieses Jahr ist es immer noch so. Mittlerweile wird das gesamte Alphabet durchgenommen, es werden die Jahreszeiten gelernt, die Uhr ablesen,  zählen bis 20 und und und. Mein Mädchen hat Spaß an allem, es wird alles sehr spielerisch behandelt. Sie freut sich jeden Morgen auf die Vorschule und nebenbei lernt sie viele Dinge, einfach so. Meine Angst war also unbegründet. Es geht ihr gut, es wird weder Druck auf sie ausgeübt, noch fühlt sie sich unwohl, weil sie in einer großen Klasse mit nur einer Lehrerin ist und vielleicht etwas untergeht. Ich kann mich nicht beschweren über unsere Vorschule, ich habe es mir viel schlimmer vorgestellt. Es ist verschult, weil den Kindern lesen und schreiben beigebracht wird. Da die Kinder aber wirklich Spaß daran haben, finde ich es gar nicht so schlimm. Solange mein Kind auch noch Kind sein darf und nicht nur mit trockenen Lehrübungen überhäuft wird, bin ich zufrieden.