Die Gier am Leid anderer

Unter Schock! So titelte die Hamburger Morgenpost am 25. März. Das trifft es genau. Sowohl hier in Spanien als auch in Deutschland ist man entsetzt über das Flugzeugunglück. Es ist eine Route, die meiner nicht unähnlich ist. Auch ich fliege oft zwischen Spanien und Deutschland hin und her. Eigentlich immer ist die Maschine ein Airbus A320. Viele Deutsche hier an der Küste sind geschockt und haben Angst. Die spanische Berichterstattung macht es auch nicht besser. Hier laufen im TV nun den ganzen Tag Bilder von weinenden Menschen. Sie umarmen sich, sie stellen Kerzen auf, sie stürzen zu Boden, weil ihnen die Kräfte schwinden. Warum, frage ich mich, muss man solch ein schlimmes Ereignis so ausschlachten? Die Gier nach dem Leid der anderen ist hierzulande sehr groß. Während deutsche Medien meiner Meinung nach recht verhalten mit solchen Bildern umgehen, werden sie hierzulande auf die Titelblätter der großen Tageszeitungen gesetzt.

Ich arbeite selbst bei einer Zeitung. Es ist die deutsche Wochenausgabe einer spanischen Zeitung in Málaga. Die spanischen Kollegen fragten uns Deutsche, ob wir jemanden kannten, der mit diesem Germanwings-Flug 4U9525 geflogen ist. Wir verneinten gottseidank alle. Auf einmal waren wir in unserem spanisch-deutschen Großraumbüro eine Familie, die zusammenhielt. Trotzdem konnten wir für unsere deutsche Ausgabe nicht das Titelfoto der spanischen Kollegen verwenden. Es kam uns einfach nicht richtig vor, eine weinende und am Boden zerstörte Frau, ein vor Trauer zergehender Mensch, auf ein Titelblatt zu setzen.

Im TV werden nun große Diskussionsrunden eingerufen. Experten und Halbexperten haben das Wort. Und immer wieder der Kameraschwenk zu den trauernden Menschen. Nur keine Träne verpassen. Das ist nicht schön. Lasst den Menschen ihre Trauer, aber schlachtet sie nicht aus! Ich bin sehr betroffen von dem Ereignis. Aber mir hilft es nicht, die Trauernden im Fernsehen zu betrachten. Ich möchte wissen, wie es dazu kam. Ich möchte eine sachliche Aufklärung, kein TV-Spektakel.

Schade, dass dies hierzulande kaum möglich ist. Manchmal bin ich eben doch einfach nur eine deutsche Ausländerin, die die spanische Welt nicht versteht.

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