Der Tag in meinem Kopf – 3. März

Es ist acht Uhr, kalt, aber die Vögel zwitschern vergnügt draußen. Also streichel ich mir über den Bauch, begrüße das Purzelchen (ja, ich weiß, ich bin noch am Anfang der Schwangerschaft, und trotzdem rede ich mit meinem Bauch, denn das Purzelchen soll sich wohlfühlen und bleiben) und schwinge mich auf. Das Kind ist immer noch bei den Großeltern und jeden Morgen vermisse ich es. Manchmal aber auch nicht, denn mal ganz ehrlich, wer denkt morgens nicht mal „Geht das vielleicht auch einmal ohne Theater? Was ist denn jetzt schon wieder so schlimm am Anziehen und Haare kämmen?

Der Kaffee läuft durch. Die ersten Schreie der Nachbarn sind zu hören. „Iss endlich dein verdammtes Frühstück auf!“, höre ich durch die Wand. „Nett, wie liebevoll die Nachbarn doch stets mit ihren Kindern umgehen.“ „Ich hab gesagt, du sollst dich anziehen, verdammte Schei..!“ „Ja, die können das mit der Kindererziehung“, denke ich. Autoritär ist ein Witz dagegen. Dann bin ich doch lieber die schlaffe Mutti, die ihr Kind mit Küssen überzieht als so. Nun denn.

Frisch geduscht gehts aufs Sofa. Ja, ich hab immer noch strikte Ruhe verordnet, darf mich nicht viel bewegen, deswegen also vom Bett direkt aufs Sofa. Auch gut. Den Laptop hochfahren und ein bisschen arbeiten. Meiner Tätigkeit bei der deutschen Wochenzeitung kann ich auch gut vom Sofa aus nachgehen.

Ich höre den Schlüssel im Schloss, die Schwiegermutter Maria kommt. Sie bringt mir mein Mittagessen und will ein wenig die Wohnung putzen. Sie reißt alle Fenster auf, redet auf mich ein, wie die Nacht war, ob ich gut geschlafen habe, ob ihr Sohn sich heute schon gemeldet hat….„Also erst mal nix arbeiten.“ Ich bin der Schwiegermutter mehr als dankbar für alles, was sie für uns tut. Das Kind wohnt momentan bei ihr, sie kocht für mich, wäscht meine Wäsche, putzt…wie im Hotel. Also habe ich ihr eine Überraschung bestellt, einen riesigen Fresskorb mit deutschen Spezialitäten, der in den nächsten Tagen bei ihr eintreffen wird. Als ich ihr erzähle, dass an ihre Adresse etwas geliefert wird, fängt sie an mich anzuschreien. Das hätten wir nicht ausgemacht, wenn ich weiter solche Dummheiten machen würde, würde sie aufhören zu kommen. Sie schreit und schreit, als ob ich ihr etwas angetan hätte. „Die ist ja vollkommen verrückt geworden. Ist doch nur ein Geschenk„, denke ich mir.

Für meine Schwiegermutter ist das, was sie für uns tut volkommen normal, dafür ist Familie eben da. Sie reagiert schon allergisch darauf, wenn ich mich bedanke. „Die spinnen doch die Andalusier. Man kann doch mal Danke sagen.“

Und so plätschert der vormittag vor sich hin. Schwiegermutter putzt, beantwortet aller fünf Minuten ihr klingelndes Telefon und schreit ein wenig hinein. „Was müssen die eigentlich immer alle so laut reden? Wofür brauchen die dann ein Telefon?“ frage ich mich. Ich erfahre, dass die Chorprobe verschoben wurde, die Kirche geputzt werden muss und Alfonsa noch fünf Euro kriegt. Dass Pepa heute nicht kann, weil sie die Enkelkinder betreuen muss, Paqui sich den Knöchel verstaucht hat und José noch Avocados vorbeibringt. „Das ist so Dorf!“, denke ich bei mir. Und trotzdem bin ich etwas neidisch auf die Gemeinschaft, die meine Schwiegermutter sich hier aufgebaut hat. „Hoffentlich bin ich im Alter auch noch so sozial aktiv“, geht es mir im Kopf herum. Dorfleben ist glaube ich für Kinder und für ältere Personen richtig gut. Ich selbst fühle mich manchmal etwas eingeengt. Und so schwelge ich noch in den Gedanken der Für und Wider des Dorflebens, als sich Maria auch schon verabschiedet.

Endlich wieder etwas Ruhe.“ Ich lehne mich zurück, nehme den Laptop wieder auf den Schoss und will loslegen. Da höre ich es: „Ich hab dir gesagt, du sollst dein verdammtes Mittagessen aufessen.“ „Na Prost Mahlzeit!“

Dieser Beitrag ist Teil des Projektes „Einen Tag in meinem Kopf“ von Glucke und So, einer meiner Lieblingsblogs. Schaut vorbei und lest mehr darüber.