Der Tag, an dem ich dich fast verlor

Ein Jahr ist er jetzt her, dieser schreckliche Abend mit dem die Angst begann. Es war der 14. Februar 2016, der Mann war noch nicht einmal 24 Stunden weg, in der Dominikanischen Republik seinen neuen Job antreten (mittlerweile ist er gottseidank wieder hier bei uns). Ich saß auf dem Sofa der Schwiegereltern, streichelte über meinen Bauch in dem du warst, plauschte und beobachtete meine Tochter beim Spielen mit den Cousinnen. Plötzlich merkte ich etwas Eigenartiges, dachte erst ich sei inkontinent, doch leider war es etwas ganz anderes. Ich verlor viel Blut an diesem Abend. So schnell wir konnten packten mich mein Schwager und seine Frau und fuhren mich in die Notaufnahme. Niemand machte mir allzu große Hoffnung. Verdacht auf Fehlgeburt war die Diagnose. Ich heulte Rotz und Wasser. Du warst doch unser absolutes Wunschkind! Wir warteten schon lange auf dich!

Man behielt mich im Krankenhaus. Dem Mann konnte ich nichts davon erzählen. Der wäre gleich wieder in den Flieger gestiegen und wäre zurückgekommen. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit konnten wir uns das nicht leisten. Wir brauchten diese Arbeit. Am Telefon erwähnte ich nur, dass ich im Krankenhaus sei zur Beobachtung, ich hätte etwas Blut verloren mehr nicht. Beim Auflegen brach ich zusammen.

Drei Tage blieb ich im Krankenhaus, danach durfte ich nach Hause. Und du, meine kleine Kämpferin hast dich tapfer geschlagen. Du wolltest nicht gehen. Wolltest bei uns bleiben.

Den Rest der Schwangerschaft musste ich mich schonen. Drei Wochen zog meine Tochter zu den Großeltern, ich vermisste sie schrecklich, auch wenn wir uns jeden Tag sahen. Es war die Zeit vieler Tränen, Abschiede, Angst und Bangen. Und doch haben wir es geschafft.

Heute liegst du neben mir, grinst mich an als sei nie etwas gewesen. Fünfeinhalb Monate bist du jetzt bereits bei uns. Und ja, du bist eine Kämpferin. Du bist groß (viel größer als die Norm, aber was ist schon die Norm?), du bist fröhlich, gluckst wenn ich dich kitzle und du machst uns alle glücklich. Deine große Schwester ist ganz vernarrt in dich. Deine Eltern sowieso.

Den 14. Februar 2016 werde ich nie vergessen und ich danke jeden Tag deinen und meinen Schutzengeln, dass sie auf dich aufgepasst haben, meine kleine Amelie.