Das erste Kind läuft nebenher

Als wir uns für ein zweites Kind entschieden und es der Familie mitteilten, hörten wir von allen Seiten, „keine Sorge, das zweite Kind läuft einfach so nebenher“. Auch während der gesamten Schwangerschaft hörte ich diesen Spruch immer wieder. Ich machte mir ja schon Sorgen, dass das zweite Kind tatsächlich vernachlässigt wird, wenn es einmal auf der Welt sei. Nur so nebenher laufen ist doch auch nix.

Nun sind wir in der Realität angelangt. Das Baby ist seit fast zwei Monaten bei uns. Und was ist passiert? Das erste Kind läuft nun so nebenher. Mein großer-kleiner Zwerg muss seit zwei Monaten ganz schön einstecken und es tut mir in der Seele weh, doch ich kann es kaum ändern. „Warte, bis das Baby fertig getrunken hat.“, „Ja, ich komme gleich, muss nur noch schnell…“, „Sei bitte etwas leiser, das Baby schläft.“, „Die Mami kann grad nicht, sie muss mit dem Baby…“ So läuft im Moment die Kommunikation mit meiner ersten Tochter. Sie muss hinten anstehen. Sie muss warten, bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

Wenn sie aus dem Kindergarten kommt, essen wir erst einmal zu Mittag und da geht es schon los. Eigentlich kann sie ja mit ihren drei Jahren perfekt alleine essen, doch da das Baby an mir hängt möchte sie nun bitteschön auch von mir beachtet und gefüttert werden. Das geht manchmal gut, manchmal endet es in einem kleinen Desaster und zum Schluss brüllen beide Mädels, weil die eine nicht bequem an Mamas Brust rankommt und die andere sich nicht auf den Schoß dazu setzen darf.

Nach dem Essen machen wir meist eine kleine Pause und ich gestehe, ich schalte den Fernseher ein. Bei uns ist nämlich Mittagessen um 14 Uhr, vollkommen spanisch, geht aber nicht anders, denn das Kind kann ich erst 13.50 Uhr abholen. So sind wir also gegen 15 Uhr mit dem Essen fertig, das Mittagstief droht. Ich bin ewig müde, kann mich nicht mehr richtig konzentrieren und brauche einfach mal eine halbe Stunde zum kurz Füße hochlegen. Ich bin also mit dem Baby auf einem Sofa, Kind 1 auf dem anderen.

Danach geht es ab auf den Spielplatz. Da achte ich strikt drauf, dass wir täglich mindestens zwei Stunden draußen sind zum Austoben und Auslüften. Hier geht das Dilemma weiter, denn Kind 1 möchte schaukeln, kann das aber noch nicht allein. Dies will die Tochter natürlich genau in dem Moment, in dem das Baby anfängt zu schreien, weil es Hunger hat. Also heißt es wieder warten für Kind 1.

Auch auf dem Heimweg möchte das Kind am liebsten von mir getragen werden, geht aber nicht, da ist schon das Baby. Mit singen und spielen versuche ich also, irgendwie mit den Mädels nach Hause zu laufen. Das Abendessen gestaltet sich ähnlich wie das Mittagessen.

Wenn ich Glück habe, kommt der Mann noch vor dem Duschen heim, kann sich um das Baby kümmern und ich kann in Ruhe Kind 1 duschen, bettfertig machen und noch etwas vorlesen oder singen. Das genießen wir sehr, denn es ist der einzige Moment des Tages, an dem wir ungestört zu Zweit sind und ich hundert Prozent meiner Aufmerksamkeit ihr widmen kann. Meist habe ich jedoch Pech und der Mann kommt erst spät nach Hause. Dann heißt es also Baby umschnallen, Hosen hochkrempeln und irgendwie das Kind duschen. Danach das Baby anlegen und stillenderweise Kind 1 vorsingen. Geht auch, ist aber nicht ganz so entspannt wie Variante 1.

Wie macht man das also mit Kleinkind und Baby allein um allen Bedürfnissen gerecht zu werden? Wenn das Baby trinkt versuche ich natürlich irgendetwas mit dem Kind zu spielen. Wir können uns an den Tisch setzen und malen oder Memory spielen. Doch natürlich ist es nicht das Gleiche. Kind 1 merkt, dass es etwas auf das Abstellgleis geschoben wurde, auch wenn ich versuche ihr all die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verlangt. Das Baby hat meist Vorrang, einfach weil es lauter schreit.

Wie macht man das also mit einem Baby, das sich nicht ablegen lässt, das ständig an der Brust hängt und sowieso den ganzen Tag Nähe braucht, wenn man ein Kleinkind hat, das ebenfalls diese Nähe braucht, der Platz dann aber schon besetzt ist?

Was sind eure Tipps, wie seid ihr mit dieser Situation umgegangen? Ging es euch ähnlich oder hattet ihr ein pflegeleichtes Baby, das Zeit mit dem großen Kind zuließ? Über eure Kommentare freue ich mich sehr.