Andalusische Erziehungstipps, die ich nicht brauche

Spanier und Deutsche, ja da prallen wirklich manchmal zwei Welten aufeinander und zwar nicht nur beim Fußball. Die einen sind angeblich laut, feierfreudig, arbeitsscheu und kommen immer zu spät, die anderen sind dafür stur, unflexibel, rechthaberisch und penibel. So jedenfalls die Stereotypen. Klar kann man das nicht alles so verallgemeinern, doch ich habe mich ehrlich gesagt schon ein wenig erschrocken, als ich merkte, dass gerade auch beim Thema Kindererziehung die Meinungen stark auseinander gehen. Das war mir bevor ich Mutter wurde nicht so bewusst. Ich habe in den letzten drei Jahren einige Sätze meiner spanischen Verwandtschaft und Umwelt aufgeschnappt, die bei mir eine echte Gänsehaut erzeugen und die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Ratschläge, die ich lieber ganz schnell ignoriere:

  1. Nimm das Baby doch nicht die ganze Zeit auf den Arm.

Das ist so ein Satz, den ich schon kurz nach meiner Ankunft mit dem Neugeborenen aus dem Krankenhaus gehört habe, und zwar von allen Seiten. Sowohl die spanische Schwiegerfamilie, als auch eigentlich das gesamte Dorf, das zu Besuch kam, ist der Meinung, dass das Baby von Anfang an im Kinderwagen besser aufgehoben ist. Nimmt man es zu oft hoch und trägt es mit sich, wiegt es womöglich noch in den Armen in den Schlaf, gewöhnt sich das Baby sofort daran und ’nutzt‘ das dann aus. Will heißen, dass man es dann immer hochnehmen muss und nie in den Kinderwagen kegen kann, weil es dann anfängt zu weinen. Das war der erste Rat, den ich sofort aus meinem Gehirn gepustet habe und den ich für kompletten Unsinn halte. Ich finde es ehrlich gesagt schlimm, wenn Neugeborene nur ständig im Wagen liegen. Doch hier im Dorf wurde ich auch komisch angeschaut, weil ich meine Tochter in einer Babytrage dicht an mir trug.

2. Man muss das Baby auch mal schreien lassen.

So ein Humbug. Wie kann man denn bitte ein Neugeborenes, winziges kleines Baby, das noch ganz frisch auf der Welt ist einfach schreien lassen. Auch hier die Begründung: Sonst gewöhnt es sich daran, dass Mama immer angerannt kommt und macht sich das zunutze. Na und, dann komme ich eben immer angerannt, aber mein kleines Baby lasse ich bestimmt nicht rot anlaufen, bis es vom Schreien ganz erschöpft ist.

3. Lass das Kind in den nassen Sachen, wenn es eingenässt hat.

Ich glaube, das ist so das Gröbste, was ich je gehört habe. Ein Jahr ist meine Tochter nun schon ohne Windel, doch jetzt hat sie wieder einmal so eine Phase, wo es tagtäglich in die Hose geht. Ist anstrengend, aber ist halt manchmal so, denke ich mir. Schließlich passiert ja auch grad viel in unserem Leben, was sie auch verarbeiten muss. Mit der spanischen Familie drüber gesprochen, habe ich diesen Ratschlag bekommen. Am besten das Tochterkind doch mal eine Stunde lang in den nassen Sachen lassen. Dann wird sie schon merken, dass man das nicht macht. Geht gar nicht!

4. Jetzt im Sommer musst du sie aber wieder später ins Bett bringen.

Auch diesen Tipp habe ich von meinen Schwiegereltern bekommen. Jetzt, wo die Tage wieder länger sind, soll ich das Kind doch nicht so früh ins Bett schicken. Früh bedeutet hier 21.30 Uhr, denn vorher schaffen wir das eh nicht und ich finde es sowieso schon viel zu spät. Denn gegen 7 Uhr morgens läuft die Duracell hier wieder, egal wann sie ins Bett geht. Die Andalusier sind aber der Meinung, dass mein Kind ganz schön arm dran ist, noch bei Tageslicht ins Bett zu gehen, wo man doch grad um Mitternacht noch so schön auf dem Spielplatz sein kann. Finde ich völlig verrückt bei Kleinkindern.

5. Mal ordentlich auf den Popo hat hier noch keinem geschadet.

Ja, manchmal ist das Kind anstrengend, ein Kleinkind von drei Jahren eben. Sie probiert Grenzen aus, hat Wutanfälle und möchte ihre Meinung durchsetzen. Finde ich ganz normal. Ich trete ihren Wünschen mit Respekt gegenüber, versuche ihre Bedürfnisse zu erfüllen und wenn dies nicht geht, dann versuche ich, es ihr zu erklären. Lasse sie aber auch einmal ihre Wut abreagieren, um sie dann zu trösten. Meine Schwiegereltern meinen, ich bin zu schlaff und dem Kind würde mal ein kleiner Schlag auf den Popo ganz guttun. Ein absolutes No-Go für mich.

Habt ihr auch so tolle Ratschläge von eurer Umwelt erhalten, die bei euch Gänsehaut erzeugen, oder die euch sogar wirklich entsetzen?