Alles ist gut

Es ist Ende Januar und immer noch flattern bei mir Mails und Briefe ein, die mir mitteilen, wie ich meine guten Vorsätze dieses Jahr halten kann. Jedes Jahr das Gleiche. Jedes Jahr wird von den Medien damit geworben, dass im neuen Jahr alles besser wird, schöner, gesünder, reicher. „Wie Sie Ihre guten Vorsätze richtig durchs neue Jahr bringen.“ heißt es.
Und was, wenn ich gar keine guten Vorsätze habe? Abnehmen muss sich nicht, das Rauchen habe ich vor Jahren aufgegeben und ganz ehrlich, weniger Alkohol oder gesünder essen will ich nicht. Manchmal ein Glas Wein am Abend, auch unter der Woche, das genehmige ich mir. Und auch Fast Food, Schokolade, fettiges Essen ab und zu und überhaupt, von allem etwas. Alles ist nämlich gut so wie es ist.
Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit, auch wenn es anstrengend ist mit einem Vollzeitjob und zwei kleinen Kindern. Das wusste ich vorher und es gibt wohl andere Mütter, deren Leben weitaus anstrengender ist als meines. Ich hatte keine Lust auf ein frühes Aufstehen, aber mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Bis auf das die Mädels sich von einer Erkältung zur nächsten schleppen, bin ich auch soweit zufrieden mit ihnen. Kleiner Scherz, ich bin überglücklich mit den beiden. Der Winter ist eben etwas kräftezehrend, aber das ist ja jedes Jahr so.
Klar, Paarzeit fehlt, wie wohl bei allen Eltern. Vollzeitjobs und Co rauben diese Zeit, denn die knappe Freizeit möchte man ja dann auch mit den Kindern verbringen. So passt alles genauso wie es ist. Große Veränderungen stehen nicht an, hatten wir die letzten Jahre auch genug.
Alles ist gut genauso wie es ist. Es gibt Höhen und Tiefen, es ist anstrengend, aufreibend aber auch nie langweilig. Klar, besser geht immer, aber ich frage mich: Warum muss immer alles besser sein. Besser, schneller, weiter. Alles wird beworben mit noch besser, noch gesünder, noch schneller oder was auch immer. Alles muss optimiert werden. Warum? Ist es so schwierig sich mit dem zufrieden zu geben was man hat? Die Medien vermitteln mir stets den Eindruck, dass mein Leben nicht gut genug ist, es muss besser werden. Man solle Pläne schmieden, um ein tolleres Lebensgefühl zu erreichen. Doch vergisst man nicht etwas, während der ganzen Planerei und an die Zukunft Denkerei? Den Moment, den man hier und jetzt hat voll und ganz zu genießen. Wenn ich die ganze Zeit damit beschäftigt bin, mir auszumalen, wie toll mein Leben sein könnte, wenn ich meine Verhaltensweisen ändere, wenn ich meine Ernährung umstelle, wenn ich mehr Sport treiben würde, wenn, wenn, wenn…vergesse ich doch ganz mein jetziges Leben zu leben.
Ich liebe die kleinen Momente des Tages an denen mir wieder bewusst wird, dass mein Leben, genauso wie es jetzt ist, gut ist. Wenn ich am frühen Morgen zur Arbeit fahre, fast alleine auf der Autobahn, ein gutes Lied im Radio läuft, dann geht es mir einfach gut. Nachmittags mit den Mädels auf dem Teppich lümmeln, kuscheln, kitzeln und kichern, dann ist alles genauso wie es sein soll. Klar, mein Bauch könnte flacher sein, ich könnte gesünder leben, ich könnte mir ein paar Kurse suchen, um mehr Sprachen zu lernen oder einen Roman schreiben. Doch anstatt mir darüber Gedanken zu machen, genieße ich mein Leben genauso wie es ist. Im Hier und Jetzt und ohne große Pläne und Vorsätze.

Wie ist es bei euch? Habt ihr Vorsätze gefasst für dieses Jahr oder lasst ihr euch auch einfach treiben?