9 Punkte an denen du erkennst, dass du ein andalusisches Kind zu Hause hast

Mein Kind wächst mit zwei Kulturen auf. Deutsche Mutter, andalusischer Vater. Das ist eine interessante Mischung, hilft dem Kind hoffentlich später einmal weiter, denn Spanisch und Deutsch sind zwei ganz brauchbare Sprachen. Was die Routine und Zeiten angeht würde ich sagen: Meine Tochter ist ziemlich deutsch. Sie steht früh auf, geht früh ins Bett. Unsere Esszeiten sind auch ziemlich deutsch und bisher sind wir damit ganz gut gefahren. Der Mann hat sich angepasst und findet es mittlerweile prima um 13 Uhr und nicht um 15 Uhr Mittag zu essen. Doch dann gibt es wieder ein paar Verhaltensweisen, die zeigen mir, mein Kind ist andalusisch. Hier kommen die Punkte, an denen man das gut erkennen kann.

  1. Leise ist nicht. Es muss laut sein, und zwar überall. Sind wir auf der Straße, schreit mir das Kind halbe Sätze entgegen. Ich kann es ihm nicht verübeln, das machen hier alle so. Nachbarn schreien über die Straße, anstatt ein paar Schritte aufeinander zu zu gehen. Auch meine spanische Familie ist nicht gerade leise. Das Kind macht also nur das, was es bei anderen sieht. Da kann ich noch so sehr „pssstttt!!!!“ sagen.
  2. Heiß und fettig muss es sein. Andalusische Küche zeichnet sich durch sehr viel Frittiertes aus. Frittierter Fisch, frittierte Kroketten, frittierte Pommes…dies alles liebt meine Tochter über alles. Und dies alles gibt es auch öfter bei Oma oder sogar ab und zu im Kindergarten. Ich kann nur versuchen, mit anderen Gerichten entgegenzusteuern, damit das nicht überhand nimmt.
  3. Am liebsten 10 Stunden fernsehen. Andalusier sind ein Fernsehvolk. Das Gerät ist bei meinen Schwiegereltern stets und ständig angeschaltet. Das war bei uns auch so am Anfang. Doch als ich merkte, dass das Kind automatisch bei Ankunft zu Hause erwartete, dass Zeichentrickfilme angeschaut werden, habe ich um Reduzierung gebeten. Es war eine harte Zeit für meine Tochter, doch jetzt ist sie ‚clean‘.
  4. Gesunde Snacks braucht kein Mensch. Wer schon einmal auf einem Spielplatz in Südspanien war wird es wissen. Hier werden keine Apfelspalten verteilt, keine Dinkel-Vollkorn-Stangen oder Hirsekringel. Hier gibt es Kartoffelchips, Donuts oder frittierte Maisflips. Ich nehme trotzdem Apfelspalten mit, während das Kind zu jeder fremden Mutter rennt, um nach Süßkram zu erbetteln. Na, wenigstens komme ich so auf meinen täglichen Apfel.
  5. Ganz große Großelternliebe. Meine Schwiegereltern leben auch im Dorf, wenn es nach ihnen ginge, müssten wir jeden Tag vorbeischauen. Nun, ich halte es so, dass wie höchstens drei Mal die Woche zu Besuch vorbeikommen. Das Kind liebt die Großeltern sehr, da freue ich mich auch darüber, doch manchmal haben sie ein paar Ansichten, da gehe ich nicht konform. Sobald wir nur in die Nähe der Straße kommen, schreit meine Tochter aufgeregt: „Abuelaaaaa, abuelooooo (Oma und Opa auf Spanisch).
  6. Spanisch mit Dialekt. Meine Tochter spricht nicht nur vorwiegend Spanisch, auch wenn ich nur Deutsch mit ihr rede, nein, sie spricht andalusisch. Endungen werden weggelassen, es wird laut gesprochen und manchmal komische Wörter, die es nur in unserem Dorf gibt, benutzt. Ach, da soll sich der Mann drum kümmern, ich bin fürs Deutsch zuständig.
  7. Frischluftjunkie. Das Schöne an unserem Wohnort ist definitiv das Klima. Auch wenn es zur Zeit kalt ist, ja auch wir haben unsere 5-6 Grad im Winter, regnen tut es nicht allzu viel und meist scheint die Sonne. Wir können also viel draußen sein und sind es auch. Während unserer Deutschlandurlaube fällt mir das dann immer wieder auf. Im Dezember wollten wir um 17 Uhr auf den Spielplatz gehen, was bei uns eine vollkommen normale Zeit ist. Wir landeten auf einem stockdusteren Spielplatz ohne Licht und Straßenlaternen. Gut, dass wir eine Taschenlampe dabei hatten.
  8. Bunt, laut, Plastik. Mein Kind steht total auf glitzerndes, laut röhrendes Plastikspielzeug. Logisch, ist ja auch ein Kind. Hierzulande verschenkt man einfach viel von diesem Krams, in unserer Familie bin ich die einzige, die Holzspielzeug verschenkt. Auch dieses wird natürlich vom Kind innig geliebt, doch es geht nichts über das laute Plastikkeyboard mit Mikrofon, dass die Tante zu Weihnachten schenkte. Leider werde ich immer vergesslicher und werde bald nicht mehr wissen, wo ich es hingeräumt habe…
  9. Feiern wie die Großen. Andalusier feiern gern. Jedes Dorf hat sein eigenes Fest, an dem der Schutzheilige geehrt wird. Dazu gesellen sich regionale und nationale Feiertage. Hört meine Tochter nur den Hauch von spanischer Musik, fängt sie sofort an zu zappeln und will mitmischen. Find ich ja auch klasse, aber irgendwann reicht es mir dann auch wieder, auf dem Dorfplatz 2 Stunden Hand in Hand mit ihr im Kreis zu tanzen.